Eigentlich sollte die digitale Gedenkseite an die verstorbene Schwiegermutter erinnern. Stattdessen fand Veronika Pikalo dort Kondolenzen, die angeblich von ihr und weiteren Angehörigen stammen - obwohl sie niemand aus der Familie verfasst hatte – über den Fall berichtet die "Kleine Zeitung".
Die Gedenkseite wurde nach dem Todesfall im Juni auf dem Portal Gedenkseite.at eingerichtet. Das Angebot der Bestattung Kärnten soll Angehörigen und Freunden die Möglichkeit geben, online ihr Beileid auszudrücken und Erinnerungen zu teilen. Zunächst schien das Angebot gut angenommen zu werden. Schon nach kurzer Zeit fanden sich mehr als ein Dutzend Einträge auf der Seite.
Beim genaueren Hinsehen fielen laut dem Bericht der Tageszeitung jedoch mehrere seltsame Formulierungen auf. So wurde unter dem Namen von Veronika Pikalo veröffentlicht: "RIP liebe Schwiegermama. Danke für deinen Fleiß und die schönen Deckerl, die was du gehäkelt hast. Die passen gut in unser Haus hinein."
Die Kärntnerin stellt gegenüber der "Kleinen Zeitung" klar, dass dieser Text nicht von ihr stammt. Auch ihre Schwiegermutter habe sie nie "Schwiegermama", sondern immer "Mutti" genannt. Gehäkelte Deckchen habe sie von ihr ebenfalls nie bekommen. Nach Rücksprache mit den übrigen Angehörigen sei klar geworden, dass auch die anderen veröffentlichten Kondolenzen nicht von den Familienmitgliedern stammen.
Wer die Beiträge tatsächlich verfasst hat, ist unklar. Laut Pikalo habe ihr eine Mitarbeiterin der Bestattung Kärnten erklärt, dass ähnliche Fälle regelmäßig auftreten würden. Alle fünf bis sechs Wochen komme es zu einer Welle gefälschter Einträge. Angehörige müssten die Seiten selbst kontrollieren und unpassende Beiträge zur Löschung melden.
"Wie kommen Trauernde dazu, ständig zu überprüfen, ob dort ein Blödsinn steht?", fragt Pikalo im Gespräch mit der Tageszeitung.
Bestattungssprecher Ingo Sternig bestätigt gegenüber der "Kleinen Zeitung", dass das Problem seit mehreren Monaten bekannt ist. Die IT- und Rechtsabteilung der Stadtwerke Klagenfurt, Mehrheitseigentümerin der Bestattung Kärnten, befassen sich bereits damit.
Zwar verfüge Gedenkseite.at über einen Filter, der beleidigende oder obszöne Begriffe automatisch erkennt. Bei den aktuellen Fällen greife dieser jedoch nicht. "Es gab auch bilaterale Gespräche mit der Polizei. Für eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft fehlt aber die strafrechtliche Relevanz", sagt Sternig zur "Kleinen Zeitung".
Nach Angaben des Unternehmens verschleiere der Urheber seine Identität durch ständig wechselnde IP-Adressen. Möglich sei außerdem, dass die Einträge automatisiert von einem Bot erstellt werden.
Als Konsequenz prüft die Bestattung Kärnten nun, den Zugang zu den Gedenkseiten künftig stärker abzusichern. Derzeit genügt es, einen Namen und einen Text einzugeben, um eine Kondolenz zu veröffentlichen.
"Unsere Ursprungsidee war ein möglichst einfacher Zugang. Es wäre schade, wenn wir das aufgeben müssten. Aber das ist die Schattenseite des Digitalen", sagt Sternig gegenüber der Tageszeitung.
Veronika Pikalo hat für ihre Gedenkseite bereits Konsequenzen gezogen. Sie deaktivierte die Kondolenzfunktion für die Erinnerungsseite ihrer verstorbenen Schwiegermutter.