Ana Parra war gerade 20, als sie ihren Halbbruder Daniel das erste Mal traf. Von ihrem gemeinsamen Vater, der die Familie verlassen hatte, wusste sie nur, dass er irgendwo einen Sohn hatte. Neugierig suchte sie Daniel auf Facebook – das erste Treffen beschreiben beide als Liebe auf den ersten Blick.
"Wir wollten es nicht wahrhaben", gesteht Ana. "Wir waren wütend auf uns selbst, weil es schwer war, das Tabu zu brechen - wir sind Geschwister, auch wenn wir uns nicht so gefühlt haben." Ihr erster Kuss passierte auf einer Party. Für Daniel war dieser Moment entscheidend: "Dieser Kuss hat alle Barrieren durchbrochen, ein Vorher und Nachher markiert."
Wie die britische Zeitung "Daily Star" berichtet, haben Ana und Daniel mittlerweile zwei gemeinsame Kinder. In Spanien ist eine solche Beziehung zwischen Erwachsenen nicht strafbar, doch das Zivilrecht verbietet die Ehe zwischen Familienmitgliedern - das wollen die beiden nun ändern.
Um ihre Geschichte zu erzählen, traten sie sogar im Fernsehen auf. "Wir wollten nicht jedem einzeln unsere Geschichte erzählen", erklärt Ana die ungewöhnliche Entscheidung. Das brachte ihnen jedoch auch Hassnachrichten ein: "Es gibt Leute, die uns in sozialen Medien schreiben, dass wir in der Hölle brennen werden."
Davon lassen sich die beiden aber nicht entmutigen. "Gesellschaften müssen voranschreiten und nicht am Traditionalismus festhalten", sagt Ana. "Homosexuellen war es auch nicht erlaubt zu heiraten, und jetzt können sie es."
Die Kinder des Paares seien "vollkommen gesund", betonen Ana und Daniel. "Wir lieben uns und das sollte zählen. Wir schaden niemandem. Deshalb wollen wir, dass die Leute unsere Geschichte kennen", so ihr Appell.