Nicht nur Verbraucher und Konsumenten, auch der Handel kämpft mit den Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine und der explodierenden Teuerung. Die Inflationsrate im Juli erreichte in Österreich mit 9,3 Prozent den höchsten Wert seit Februar 1975 – und stellt für den Handel eine existenzielle Bedrohung dar, wie der Handelsverband beklagt. Eine Umfrage unter heimischen Betrieben zeichnet demzufolge ein düsteres Bild.
Ganze 42 Prozent der österreichischen Händler werden im Jahr 2022 aufgrund des Kaufkraft-Verlustes der Bevölkerung einen Verlust erwirtschaften, heißt es. Nur 23 Prozent erwarten heuer einen Gewinn. 14 Prozent der Unternehmen überlegen gar, ihre Geschäftstätigkeit bis Jahresene einzustellen.
Neben sinkender Kaufkraft machen vor allem die Energiepreise den Händlern zu schaffen. Ihre Energiekosten liegen mittlerweile im Schnitt bei rund 21 Prozent des Umsatzes, die Stromkosten haben sich heuer im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent erhöht.
Die volatile Weltlage sorgt zudem für Probleme beim Transport. Fast 8 von 10 Händlern kämpfen zurzeit mit Lieferverzögerungen und Lieferantenausfällen, 70 Prozent erwarten Engpässe im Weihnachtsgeschäft. Fast die Hälfte klagt zudem über Personalmangel, bei 20 Prozent war aus diesem Grund teils nur ein eingeschränkter Betrieb möglich.
"Die Ergebnisse unserer Befragung machen einmal mehr deutlich, welche gravierenden Folgen die Teuerungswelle auf den österreichischen Handel hat. Unsere Händler kämpfen mit sinkenden Umsätzen auf der Konsumentenseite und anhaltenden Liquiditätsproblemen infolge der Corona-Pandemie, gleichzeitig müssen sie massive Kostensteigerungen bei Strom, Gas, Mieten, im Einkauf und in der Logistik stemmen. Jeder zweite Betrieb rutscht dadurch auch heuer in die Verlustzone", sagt Handelsverband Geschäftsführer Rainer Will. Er fordert von der Regierung anstelle von Einmalzahlungen an die Bevölkerung eine Reformagenda, eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie, sowie einen Energiepreisdeckel für Betriebe, um eine "bevorstehende Kostenexplosion abzuwenden".