Handhygiene-Mittel helfen kaum gegen Corona

Viele Handhygiene-Mittel sind "wenig alltagstauglich gegen Viren".
Viele Handhygiene-Mittel sind "wenig alltagstauglich gegen Viren".Getty Images/iStockphoto
Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 22 Handhygieneprodukte untersucht und dabei teils gravierende Mängel festgestellt.

Die Handhygiene und Desinfektion zählt seit Beginn der Corona-Pandemie als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus. Wie Experten bereits im Frühjahr herausfanden, reicht normales Händewaschen mit warmen Wasser und Seife aber oftmals aus, um Viren und Bakterien zu bekämpfen.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat nun 22 Handhygieneprodukte getestet und dabei teils gravierende Mängel festgestellt. Die meisten nutzen kaum im Kampf gegen Viren.

Produkte für die Handhygiene im Alltag sind mittlerweile fast überall erhältlich, also in Lebensmittelgeschäften oder Drogerie- und Baumärkten. Die Nachfrage ist groß, dabei wird aber oft übersehen, dass es Mittel zur Reinigung und solche zur Desinfektion gibt.

Kosmetika helfen nicht gegen Viren

Bei der ersten Gruppe handelt es sich um Kosmetika, die gar nicht oder sehr eingeschränkt gegen Erreger wie Coronaviren wirken. Um gegen behüllte Viren wie SARS-CoV-2 wirksam zu sein, muss ein Biozid zumindest eine "begrenzt viruzide Wirkung" haben. Welche Wirkung ein konkretes Handhygiene-Produkt entfaltet, hängt von drei Faktoren ab, die auf einem korrekt gekennzeichneten Biozid auch immer angegeben werden müssen: Wirkstoffgehalt, Anwendungsmenge und Einwirkzeit.

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Auch die Menge des enthaltenen Alkohols spielt dabei eine Rolle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das deutsche Robert Koch Institut (RKI) empfehlen Präparate mit 80 Vol.-% Ethanol oder 70 Vol.-%, Isopropanol (2-Propanol), da diese bereits nach einer Mindesteinwirkzeit von 30 Sekunden eine begrenzt viruzide Wirkung haben können. Produkte mit weniger Alkoholanteil können zwar auch gegen Viren wirken, benötigen dafür aber eine entsprechend längere Einwirkzeit.

Wie der Test vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) ergab, haben nur vier Mittel von 22 bei richtiger Anwendung eine Wirkung erzielt.

Oft nicht ausreichend gekennzeichnet

Nur das Desinfektionsmittel von Certainly, das Clean & Fresh Desinfektions-Gel der Joh. Alex. Niernsee KG, das Reinigungs-Handgel von CF und die Handhygienelotion von Brüder Unterweger enthielten genügend Alkohol, um behüllte Viren wie Coronaviren innerhalb von 30 Sekunden unschädlich zu machen.

Alle weiteren getesteten Produkte waren wenig alltagstauglich und auch nicht ausreichend deklariert. Kosmetika zur Handreinigung bzw. -pflege dürfen nicht damit werben, dass sie gegen Bakterien oder Viren wirken. Trotzdem fanden sich Bezeichnungen wie "antibakteriell" auf den Verpackungen.

Seife reicht

"Es ist sicherlich gut, sich genau zu überlegen, wann die Verwendung eines Handdesinfektionsmittels sinnvoll und notwendig ist. Sorgfältiges Händewaschen mit warmen Wasser und Seife inaktiviert Viren und Bakterien ebenfalls zuverlässig und die Möglichkeit dazu ist im Normalfall in jedem Haushalt oder Büro vorhanden", sagt Birgit Schiller, Projektleiterin im VKI.

"Konsumentinnen und Konsumenten, die ein Mittel suchen, um sich unterwegs kurzfristig vor SARS‑CoV-2-Viren zu schützen, sollten sehr genau auf die Kennzeichnung und die Anwendungshinweise achten", erklärt Schiller weiter.

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