Hat Lazio absichtlich Corona-Spieler eingesetzt?

Lazio-Star Ciro Immobile
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Bei Lazio Rom wurden drei Spieler positiv getestet, in der Champions League durften sie nicht spielen, in der Serie A schon.

Lazio Rom ist das Team der späten Tore. In der Nachspielzeit der letzten zwei Spiele traf das Team von Trainer Simone Inzaghi dreimal, das machte aus null Punkten immerhin vier. Wären die Partien gegen Torino und Juventus verloren gegangen, stünde Lazio jetzt auf Rang 13.

Nun aber droht den Römern Ungemach. Ungemach, das sie ganz schnell in solche Regionen der Tabelle absinken lässt. Ungemach, das offenbar selbst heraufbeschworen wurde. Denn Torino, der Gegner vom 1. November, will Gerechtigkeit, das heißt im Fußball: Aus dem 3:4 aus Sicht des Unterlegenen soll am grünen Tisch ein 3:0-Sieg werden.

Es könnte aber noch dicker kommen für Lazio Rom, das in dieser Saison erstmals seit 13 Jahren wieder in der Champions League spielt. Von einer Geldstrafe ist die Rede, von Punktabzug oder dem Ausschluss aus der Serie A. Ja sogar die Justiz interessiert sich für den Fall, der Grund: "fahrlässige Verursachung einer Epidemie".Was ist passiert? Natürlich geht es um das Coronavirus und insbesondere um die Orte, an denen getestet wird. Lazio macht das in Avellino, einem Ort nahe Napoli, ziemlich weit weg von der Hauptstadt, Provinz Kampanien. Dort lauten die Regeln anders als im Latium, wo Rom liegt. Im Kampanien meldet der Klub selbst positive Fälle dem Gesundheitsamt, nicht das Labor.

Die UEFA, und das ist wichtig, weil Lazio eben in der Champions League spielt, testet in der Nähe von Florenz. Zweimal, am 28. Oktober und am 2. November, befindet das Labor Synlab, dass drei Römer Spieler positiv sind. Goalie Thomas Strakosha, Mittelfeldspieler Lucas Leiva und Stürmer Ciro Immobile. Sie dürfen nicht zu den Spielen gegen Brügge und St. Petersburg reisen.

Dazwischen und danach stehen Spieltage in der Serie A an und damit Tests im Nicht-UEFA-Labor in Avellino. Die Ergebnisse: Die Spieler sind plötzlich alle negativ, der Italiener Immobile und der Brasilianer Leiva werden gegen Torino eingewechselt, Immobile schießt in der Nachspielzeit eines der beiden Tore, das Lazio schließlich den Sieg bringt, den Torino nun eben für sich reklamiert.

Warum solche Forderungen von Juventus erst einmal nicht zu hören sind: Das Gesundheitsamt kam Lazio dann doch zuvor und verhinderte einen Einsatz der drei Spieler. Sie wurden am Samstag in einem weiteren Labor, diesmal in Rom, getestet – wieder (oder immer noch) waren sie positiv.

Die Frage also lautet nun: Hat Lazio im Spiel gegen Torino bewusst positive Spieler eingesetzt und eben, wie es im italienischen Strafgesetzbuch heißt, eine Epidemie verursacht oder zumindest eine weitere Ausbreitung einer solchen in Kauf genommen? Das prüft jetzt der italienische Fußballverband. Er könnte zu einem Ergebnis kommen, das Lazio nicht mehr mit Toren in der Nachspielzeit korrigieren kann.

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