Nyck de Vries wurde mit großen Vorschusslorbeeren zu Alpha Tauri, dem zweiten Red-Bull-Rennstall in der Motorsport-"Königsklasse", geholt. Der routinierte Niederländer sollte den Abgang von Pierre Gasly zu Alpine kompensieren, das Team anführen. Mit einem starken Rang neun als Ersatz für den am Blinddarm operierten Williams-Piloten Alexander Albon in Monza 2022 ließ der 28-Jährige auch sein Talent aufblitzen. Genauso wie bereits im Jahr 2021 mit dem Titel in der Formel E.
Doch bisher konnte De Vries daran nicht anknüpfen, hat sich in den ersten vier Runden einen fragwürdigen Ruf erarbeitet. Zweimal Platz 14, ein 15. Rang in Australien und zuletzt der Crash in Baku nagten am eigentlich guten Ruf des 28-Jährigen. Auch, weil ihn sein Teamkollege Yuki Tsunoda bisher in jedem Qualifying überflügelte. Nur logisch, dass die Kritik am Niederländer immer größer wird.
De Vries wurde wohl auch unter Vertrag genommen, weil im letzten Herbst die Superlizenz von Talent Liam Lawson noch nicht abgesichert war. Mittlerweile ergatterte der Neuseeländer die Fahrerlaubnis für die Motorsport-"Königsklasse" und ist der erste Pilot seit 45 Jahren, der sein Debüt in der japanischen Super Formula gewinnen konnte. Und Ayumu Iwasa, Red-Bull-Talent in der Formel 2, ist ein ernsthafter Titelkandidat. Der Red-Bull-Nachwuchs drängt also nach oben.
Deshalb schlagen De Vries nun auch scharfe Töne aus seiner Heimat entgegen. Motorosport-Experte und Ex-Pilot Jan Lammers meinte gegenüber "NOS": "Er hatte seine Chance, eine gute Leistung zu zeigen, Und er hat sie nicht genutzt. Es ist eine gnadenlose Welt. Die Wahrheit ist: Das Auto war gut genug für Punkte. Und wenn man keine Punkte holt, wenn das Auto gut ist, wann dann?"
Vom scheidenden Alpha-Tauri-Teamchef Franz Tost, der mit Saisonende abtreten wird, erhielt De Vries vorerst noch Unterstützung. "Es gibt einen Lernprozess und eine Crash-Phase. Wenn die Fahrer nicht crashen, kennen sie das Limit nicht. Es gibt keinen Fahrer, der nicht gecrasht ist", so der Tiroler. Doch gerade bei Alpha Tauri, das zuletzt im Red-Bull-Konzern kritisch hinterfragt wurde, könnte die Geduld mit dem 28-Jährigen bald zu Ende sein.