"Sittenwächter" vor Gericht

"Hauptsache, du sprichst nicht mit Muslima!" – Prozess!

Ein 26-Jähriger soll einen jüngeren Kollegen mit dem Umbringen bedroht haben, weil dieser mit einer Muslima sprach – er stritt die Vorwürfe ab.
Wien Heute
24.02.2026, 21:14
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Ein Afghane (26) musste sich Dienstag (24.2.) am Wiener Landl verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm schwere Nötigung vor. Grund dafür soll ein Vorfall am 14. November gewesen sein: In einem Fortbildungskurs bedrohte der Mann angeblich einen 16-Jährigen mit Umbringen und "Schlachten".

"Du sprichst nicht mit Muslima"

"Auch wenn ich dabei sterbe, das ist mir egal, Hauptsache du sprichst nicht mit einer Muslima", soll er den 16-Jährigen eingeschüchtert haben. Der Jugendliche hatte zuvor einer 17-jährigen Kursteilnehmerin Komplimente gemacht. Der Angeklagte gab zu, den 16-Jährigen gefragt zu haben, ob er Moslem sei. Dieser habe geantwortet, er sei serbisch-orthodox.

"Kein Sittenwächter"

Er habe in Ruhe lernen wollen, die Aussagen gegenüber der Kursteilnehmerin "als Belästigung" empfunden, so der Angeklagte. Was ein "Sittenwächter" sei, wisse er gar nicht. Die Vorwürfe wies er vehement zurück, der jungen Frau habe er nur helfen wollen. "Du störst mich und du nervst dieses Mädchen!", will er gesagt haben, um für Ruhe zu sorgen.

Afghane flog aus Kurs

Der 16-Jährige und ein 17-jähriger Freund bestätigten hingegen die Drohungen. "Am Anfang habe ich es nicht ernst genommen", so der 16-Jährige. Nach dem Wochenende habe er den Vorfall dem Kursleiter gemeldet. Der Afghane wurde aus der Fortbildung ausgeschlossen.

"Fühlte mich nicht belästigt"

Die junge Frau wurde ebenfalls befragt. "Ich habe mit meinen Klassenkameraden ganz normal geredet", so die 17-Jährige. Belästigt habe sie sich nicht gefühlt. Der Verteidiger sprach von einer "aufgebauschten Geschichte". Der Richter sah das anders. Urteil für den Afghanen: vier Monate bedingte Haft – nicht rechtskräftig. Die Unschuldsvermutung gilt.

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