Heimischer Spargel wird aus Supermärkten verdrängt

Der Marchfelder Spargel bürgt für Qualität. 
Der Marchfelder Spargel bürgt für Qualität. Ernst Weingartner / Weingartner-Foto / picturedesk.com
Immer mehr ausländischer Spargel würde zu Dumpingpreisen verramscht, beklagen Marchfelder Spargelbauern, die auf ihrer Ware sitzen bleiben.

Die Spargelsaison aus heimischer Ernte hat von Ende April bis Mitte Juni seinen saisonalen Höhepunkt. Das Ende der Erntezeit ist dann traditionell nach dem 24. Juni. Österreich kann sich glücklich schätzen, mit dem Marchfeld in Niederösterreich fruchtbaren Boden zu haben, der Jahr für Jahr Spargelbester Qualität gedeihen lässt. Auch die Werbung bewirbt die wertvollen Produkte der österreichischen Landwirte in seinen Regalen. Aber anstatt österreichischer Produkte finde sich dort bei näherem Hinsehen immer öfter Importware. Während Gemüse aus fernen Ländern CO2-intensiv nach Österreich gekarrt und hier zu Dumpingpreisen verramscht würde, blieben die heimischen Landwirte auf den Früchten ihrer Arbeit sitzen. So die Bilanz des Verein Marchfeldspargel.

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50 Prozent werden importiert

Die gerne propagierte Regionalität, von der am Ende eigentlich alle profitieren sollen, sei durch die Importflut aus dem Lot geraten. "50 Prozent des in Österreich verbrauchten Spargels wird mittlerweile importiert, heimische Bauern bleiben dadurch auf etwa einem Drittel ihrer Ware sitzen." Pro Hektar Spargelkultur liegt die Fixkostenbelastung für den Produzenten bei rund 15.000 Euro. Die Stangen werden von sogenannten Spargelstechern händisch aus der Erde geholt. Pro Hektar sind fünf oder sechs Arbeitskräfte dafür nötig. Doch mit dem Ernten allein ist es nicht getan. Die Stangen müssen verpackt, transportiert und verkauft werden. Rechnet man das alles zusammen, fallen über die Erntezeit pro Hektar bis zu 1.200 Arbeitsstunden an.

Vor diesem Hintergrund kann die Rechnung langfristig nicht aufgehen. "Da geht es um ein Stück österreichische Kultur, schließlich gehört der heimische Spargel auch zu unserem kulinarischen Erbe", so Vereinsobmann Werner Magoschitz. "Der Handel hat den Landwirten gegenüber die Verantwortung, den heimischen Kundinnen und Kunden auch heimische Produkte anzubieten". Im Zuge der Teuerungen ist auch der Spargel-Preis gestiegen, gehört aber per se schon zu den höherpreisigen Gemüsen. Der Handelskonzern Spar merkt bei den Stangen eine minimale Kaufzurückhaltung bei den Konsumenten. Es sei aber grundsätzlich ein deutlicher Trend zu günstigeren Produkten zu beobachten, so Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Der Spargel-Hunger der  Konsumenten würde bereits vor dem heimischen Saisonstart bestehen. Um diesem gerecht zu werden, wird der Spargel auch aus anderen Ländern wie Italien, Slowakei und Ungarn bezogen, so SPAR in einer Aussendung. Dieser importierte Spargel müsse jedoch dieselben Qualitätskriterien wie der österreichische Spargel erfüllen. Ist die Ernte in Österreich angelaufen, setze man voll auf heimische Produkte.

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Intransparente Qualitätskriterien 

Laut der Vereinshomepage marchfeldspargel.at wurden im Jahr 2021 2.488 Tonnen heimischer Spargel produziert, jedoch 2.745 Tonnen importiert. In der vergangenen Erntesaison sei hier ein Missverhältnis entstanden: "Man wirbt zwar gerne mit dem Image, für das die österreichische Landwirtschaft mit all ihren hohen Standards steht, achtet aber zu wenig darauf, dass sich ihre Produkte auch in den Regalen finden." Um faire und transparente Bedingungen zu schaffen, müssen dieselben hohen Qualitätskriterien auch für importierten Spargel gelten, fordert der Obmann und hofft auf "mehr Commitment" vonseiten der Handelsketten gegenüber ihren österreichischen Lieferanten.

Das im Vergleich zu den konkurrierenden Nachbarländern hohe Lohnniveau, hohe Qualitäts- und Umweltstandards und eine witterungsbedingt kleinere Ernte 2022 stellen die heimischen Spargelbauern am Ende der Saison vor existenzielle Herausforderungen. Auch im Marchfeld sahen sich die Bauern schon heuer gezwungen, reihum Felder auswachsen zu lassen. "Es wurde ganz einfach zu viel ausländischer Spargel importiert, als dass es sich für die Marchfelder Bauern noch wirtschaftlich arbeiten ließe", so die Spargelproduzenten einstimmig.

Peru oder China statt Marchfeld

Und auch die Naturgesetze würden durch die Angebotspolitik der großen Handelsketten zunehmend ad absurdum geführt: "Auf unseren Feldern ist noch Schnee gelegen, als erste Händler schon Spargel beworben haben. Natürlich wird der dann wenig klimafreundlich aus Peru oder China in die Filialen gekarrt und kommt nicht aus Österreich", ärgern sich die Spargelbauern und appellieren an die Handelsketten, sich an ihre Partnerschaft mit den heimischen Landwirten zu erinnern: "Nur mit österreichischen Produkten wird den Konsumentinnen und Konsumenten auch gewährleistet, dass die Umwelt- und Sozialstandards auch eingehalten werden."

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