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Heldenplatz darf weiter Heldenplatz heißen

Heute Redaktion
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Großbaustelle vor der Neuen Burg am Heldenplatz, Archivbild aus dem Jahr 1920
Großbaustelle vor der Neuen Burg am Heldenplatz, Archivbild aus dem Jahr 1920
Bild: picturedesk.com

Ex-Kulturminister Drozda (SPÖ) hatte im vergangenen Jahr mit seinem Vorschlag einer Umbenennung einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Dieser scheint jetzt endgültig vom Tisch.

"Platz der Republik" oder "Platz der Demokratie" – diese Namen schwebten dem damaligen Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) im Februar 2017 noch als neue Namen für den Heldenplatz vor.

"Was mir ehrlich gesagt adäquater erschiene als die historisch doch einigermaßen belastete aktuelle Variante", hatte Drozda in einem Interview mit der "Presse am Sonntag" erklärt. Er wünsche sich eine Umbenennung passend zum hundertjährigen Jubiläum der Republik heuer.

"Unnötige Geschichtsanpassung"

Heftige Kritik schlug dem Kulturminister von ÖVP und FPÖ entgegen. "DDR reloaded im Kabinett Kern???", ätzten etwa die Freiheitlichen. "Um ein klein wenig realsozialistischen Glanz und Gloria in die Bundeshauptstadt zu bekommen, würde sich vermutlich die Umbenennung in 'Roten Platz' anbieten", so der mittlerweile amtierende Innenminister Herbert Kickl Ende Februar.

Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) nannte eine plötzliche Umbenennung des Heldenplatzes eine "unnötige Geschichtsanpassung". Und auch Maria Fekter, ihres Zeichens Kultursprecherin der ÖVP, bezeichnete den Vorstoß Drozdas noch am selben Tag als "undenkbar". "Der Heldenplatz ist Teil unserer Geschichte. Und die Diskussion dazu kann nicht durch eine scheinheilige Umbenennungsdebatte geführt werden", so Fekter. "Dieser Platz spiegelt die Höhen und dunkelsten Tiefen unserer Geschichte wider. Wir dürfen unsere Geschichte nicht verleugnen. Daher gibt es keinen Grund für eine Umbenennung".

Thomas Drozda wurde unter Bundeskanzler Christian Kern als Quereinsteiger in die Politik geholt. Von Mai 2016 bis zur Angelobung der türkis-blauen Regierung am 18. Dezember 2017 war er Kanzleramtsminister und für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien zuständig.

"Diskussion ist eingeschlafen"

Offenbar viel Aufregung um Nichts, denn wie Sprecherin des Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gegenüber "Radio Wien" bestätigt, seien seit dem initialen Vorschlag keine weiteren Meldungen zu dem Thema seitens des Ministerbüros gekommen: "Die Diskussion ist eingeschlafen". "Wir haben das nicht weiter verfolgt", kommentiert die Sprecherin.

Zwar wäre Mailath-Pokorny prinzipiell für Umbenennung von öffentlichen Verkehrsflächen in Wien zuständig. Der Heldenplatz ist allerdings eine Ausnahme, denn er befindet sich direkt im Eigentum der Republik, wie der "ORF" berichtet. Damit ist die Debatte wohl auch endgültig erledigt – denn diese liegt mittlerweile im Zuständigkeitsbereich von Drozdas Nachfolger und vehementen Gegner einer Umbenennung, Gernot Blümel. (rcp)