Herkunft und Alter aller Wiener Straftäter aufgedeckt

Wird in Wien jemand einer Straftat verdächtigt, ist er zu 50 Prozent Österreichischer Staatsangehöriger (Symbolbild).
Wird in Wien jemand einer Straftat verdächtigt, ist er zu 50 Prozent Österreichischer Staatsangehöriger (Symbolbild).Helmut Graf
Eine Anfrage zur Kriminalität in Wien enthüllt nicht nur, wo die meisten Straftaten begangen werden – sondern auch, wer die Verdächtigen sind.

Mittels parlamentarischer Anfrage wollte die FPÖ vom damaligen Innenminister Karl Nehammer wissen, wie es im 1. Halbjahr 2021 um die Straftaten in Wien bestellt war. Auf der Parlamentsseite folgte am 3. Dezember dann das Ergebnis im Rahmen von stolzen 119 Seiten: 66.878 Straftaten gab es in sechs Monaten, nur 6,7 Prozent davon waren aber tatsächliche Verbrechen, den Rest stellten mindere Vergehen dar.

Bei den Bezirken gab es mit Abstand am meisten Straftaten in Favoriten (8.272), dahinter folgen Floridsdorf (5.590) und die Donaustadt (5.543). Am "sichersten" waren die Josefstadt (998), Währing (1.168) und Hietzing (1.323). Auch eine genaue Aufschlüsselung der Delikte wurde angeführt. Damit hätte nach 29 Seiten eigentlich Schluss sein können. Die übrigen Fragen zeigen aber recht deutlich, welcher Aspekt der Rohdaten die Anfragenstellende FPÖ eigentlich interessierte.

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Auf den restlichen 90 Seiten finden sich Fragen danach, wie viele der Tatverdächtigen "Fremde" waren. Man wollte eine genaue Statistik für jede einzelne Nation. Darüber hinaus forderte man Aufschlüsselungen nach jedem Aufenthaltsstatus: "nicht rechtmäßig aufhältig bzw. geduldet", "unbekannt", "Asylwerber", "Nicht erwerbstätig, in Ö sozialversichert", "Keinen (Täter/Opfer im Ausland)", "Nicht erwerbstätig, in ö nicht sozialversichert", "Erwerbstätig", "In Ausbildung" und "Tourist".

Achtung: Experten weisen darauf hin, dass die Daten mit Vorsicht zu genießen sind. Konkrete Aussagen über Sicherheit und Kriminalität können aus Halbjahresberichten nicht korrekt abgeleitet werden. Zudem handelt es sich hierbei um Rohdaten, die noch einer weiteren Qualitätskontrolle bedürfen. Rückschlüsse auf Trends können dadurch auch noch nicht sicher gezogen werden.

Alter

Vorneweg zu den allgemeinen Zahlen. Im ersten Halbjahr 2021 gab es in Wien 35.892 Tatverdächtige, das sind fast zwei Prozent aller Wiener. 79,4 Prozent davon waren männlich, 20,6 Prozent weiblich. 807 Tatverdächtige waren noch nicht strafmündig, also unter 14 Jahren alt, 66 waren sogar jünger als zehn.

2.727 waren zwischen 14 und 17 Jahren, 2.740 zwischen 18 und 21, 4.009 zwischen 21 und 24 Jahren alt. Zwischen 25 und 39 Jahre alt waren 14.714, 40 und älter 10.985 Verdächtige. Zu 46,6 Prozent wurden sie bereits gefasst.

Herkunft

Von jenen 35.892 Tatverdächtigen waren 17.970 (exakt 50 Prozent) sogenannte "Fremde", das ist ein Minus von 1.923 im Vergleich zum Vorjahr (-9,7 Prozent). Hierbei gibt es einen klaren Spitzenreiter: 3.164 aller Tatverdächtigen sind serbischer Nationalität.

Dahinter folgen Rumänien (1.271), die Türkei (1.204), der Status "ungeklärt" (1.179) und die Slowakei (1.150). Dreistellig sind Polen (856) vor Afghanistan (807), Bulgarien und Syrien mit jeweils 724,  Deutschland (669), Russland (612), Ungarn (560), Kroatien (405), Bosnien (397), Irak (314) sowie Nigeria und Nordmazedonien mit jeweils 290.

Aus zahlreichen Ländern kam kein einziger Tatverdächtiger, zumeist handelt es sich dabei um besonders kleine Inselstaaten im Pazifik. Aus dem bevölkerungsreichsten China kamen hingegen nur 59 Verdächtige, aus Indien 181. Obwohl nur 500.000 Einwohner stark verirrten sich aus Malta immerhin drei Straftäter nach Österreich. 

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