Hilft ketogene Ernährung wirklich gegen Migräne?

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Fettreiche Diäten werden gezielt bei der Therapie bestimmter Krankheiten eingesetzt. Leserin Maria fragt, ob die ketogene Diät hilfreich bei Migräne ist.

Liebe Diana

Ich habe seit Jahren Migräne, so dass ich zeitweise nicht mehr arbeiten konnte. Nun hat mir ein Arzt erzählt, dass die ketogene Diät eine Art Wundermittel gegen Migräne sei. Hast du Erfahrung damit? Ich finde die Ernährungsform für mich zwar umsetzbar, habe aber etwas Sorge, dass ich damit nicht genug Vitamine bekomme und zunehmen könnte, weil man ja fast nur Fett essen darf.

Liebe Grüße



Maria (24)

Liebe Maria

Die ketogene Ernährung ist eine der ältesten Diäten, die wir kennen, und wird mit gutem Erfolg bei Epilepsie eingesetzt. Der Kerngedanke dahinter ist, den Körper in die Ketose zu versetzen, also in einen Zustand wie er beim Fasten auftritt, ohne aber wirklich zu fasten. Dazu werden die Kohlenhydrate auf ein Minimum reduziert.

Das führt dazu, dass nach wenigen Tagen die körpereigenen Kohlenhydratspeicher (Glykogen) in der Muskulatur und in der Leber aufgebraucht sind. Es muss also ein anderer Brennstoff her, um weiterhin Energie an die Zellen liefern zu können. Die Leber beginnt darum verstärkt Fette in Ketonkörper umzuwandeln. Ketone sind die Transportform von Fetten, da diese sonst im Blut nicht gut transportiert werden können. Diese werden als Energiequelle an das Gehirn, die Muskeln und andere Organe weitergeleitet.

Der Stoffwechsel passt sich also an und das Gehirn bekommt statt Traubenzucker (Glucose) dann Ketone als wichtigsten Brennstoff – was sich erwiesenermaßen bei Epilepsie günstig auswirkt. Weiterhin bestehen Daten, dass auch andere Erkrankungen des Gehirns positiv damit beeinflusst werden können, so auch die Migräne. Wobei ich klar sagen muss, dass dazu noch wenige Daten bestehen.

Der wichtigste Nährstoff ist bei der ketogenen Diät also Fett, und die Kohlenhydrate müssen auf wenige Gramm pro Tag reduziert werden. Diese kommen üblicherweise aus dem Gemüse, das gegessen wird – Obst ist nicht möglich, da dies bereits zu viel Kohlenhydrate in Form von Zucker enthält.

Das Nahrungsmittelspektrum ist zwar sehr eingeschränkt, aber eine bedarfsdeckende Zufuhr ist für fast alle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente möglich – wie gesagt, kannst du Gemüse weiterhin essen, ebenso Nüsse und Eiweißlieferanten wie Fleisch, Ei, Käse oder Tofu.

Gewisse B-Vitamine werden dabei aber je nach Essgewohnheiten etwas vermindert zugeführt, diese könnte man im Zweifel aber auch mit Supplementen abdecken. Und auch die Kalorienzufuhr gestalte ich immer so, dass es zu keiner Gewichtszunahme kommt. Im Gegenteil, ich sehe häufig, dass die Patienten ihr Gewicht damit optimieren und auch abnehmen können. Sofern das gewünscht ist.

Ich würde sagen, dass die ketogene Ernährung einen Versuch wert ist. Lass dich dabei aber gut begleiten, um den häufigsten Fehler "zu viel Eiweißzufuhr und zu wenig Fett" zu vermeiden. Denn wenn das Verhältnis von Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten nicht stimmt, kann diese Ernährungsform ihr volles Potential nicht entfalten.

Ich wünsche dir alles Gute!

Diana

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