Derzeit erholt sich Martin Hinteregger noch von seinem Sehneneinriss im Oberschenkel. Die Verletzung zwang ihn sowohl bei Europa-League-Finalsieg seiner Eintracht als auch bei den vier Nations-League-Spielen von Österreich zum Zusehen. Wobei Letzterer der falsche Ausdruck ist.
Denn: Die ersten Auftritte unter dem neuen Teamchef Ralf Rangnick schwänzte Hinteregger gänzlich.
„"Ich habe kein Spiel gesehen." – Martin Hinteregger über die Rangnick-Premiere“
Das verriet der Kärntner nun in einem Interview mit dem "Standard": "Ich habe kein Spiel gesehen. Ich weiß, wie viel sie gespielt haben, habe aber sonst nichts darüber gelesen. Die Erwartungshaltung unter Fans ist sehr groß. Wir haben ja auch richtig gute Spieler, haben aber oft nicht geschafft, unser Können auf den Platz zu bringen. Unter Ralf hat es sich gebessert, und ich hoffe, dass es in der Tonart weitergeht."
Diese Aussage eines Stamm-Teamspielers und Leistungsträgers überrascht doch, könnte wohl beim einen oder anderen Kollegen für Stirnrunzeln sorgen. Ganz bestimmt aber bei Rangnick und seinem Trainerstab. Schließlich gilt der Chefcoach als akribischer Arbeiter, Taktik-Tüftler. Rangnick gab seinen Spielern nach dem Lehrgang und den vier Länderspielen zudem jeweils Videos zur Weiterbildung mit auf den Weg – quasi eine Hausübung für den Urlaub.
Hinteregger schwänzte hingegen das ganze Schuljahr, um bei dieser Analogie zu bleiben.
Zumindest seine Einschätzung zur Trainerwahl des ÖFB könnte Rangnick wohl etwas besänftigen: "Ich war überrascht, weil ich fix mit Peter Stöger gerechnet hatte. Es war schon ein Wow, der wird was weiterbringen."
Für Hinteregger beginnt nun die Reha. Noch ist unklar, ob der 29-Jährige beim Trainingsstart in Frankfurt wieder nach der Pfeife von Trainer Oliver Glasner tanzen, oder weitere Erholungszeit nötig sein wird.
Die trainingsfreie Zeit verbringt er jedenfalls zumindest zum Teil in seinem Heimatdorf Sirnitz. Das ist gut dokumentiert. Mehr, als dem ÖFB-Star lieb ist. Denn: Am vergangenen Wochenende veranstaltete der Kicker den sogenannten "Hinti-Cup". Es sollte ein großes Fest für Fans aus der Heimat und Frankfurt werden – Fußball, Musik und Kulinarik.
Weil im Vorfeld bekannt wurde, dass Hintereggers Geschäftspartner bei der Organisation ein gewisser Heinrich Sickl ist – ein Ex-FPÖ-Politiker, der als rechtsradikal gilt –, geriet der Fußballer in die Kritik. Auch in Deutschland war der Aufschrei groß. Schließlich sind die Eintracht und ihrer Fanszene zu großen Teilen im politischen Spektrum links beheimatet.
Für Martin Hinteregger mehr als unangenehm. Im "Standard" stellte er nun, auf Sickls Unterstützung der Identitärenbewegung angesprochen, klar: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich auch anders reagiert. Natürlich werde ich künftig genauer hinsehen, mit wem ich zusammenarbeite. Ich habe auch noch andere drei Firmen, jetzt muss ich meine anderen Partner checken, ob da alles passt. Es ist schwierig, jeden Menschen zu prüfen. Ich habe mit ein paar Chefs großer Firmen geredet – und die haben gesagt, wenn wir bei jedem Geschäftspartner checken, was der vor 20 oder 30 Jahren gemacht hat, wäre das schwer."
Nachsatz dazu: "Ich weiß, dass er FPÖ-Politiker war, was in Österreich ja nichts Schlimmes ist. Ich habe aber von der Identitären Bewegung nichts gewusst und auch nicht, was das bedeutet. Dafür bin ich schon zu lange weg, und die Politik interessiert mich zu wenig. Selbst wenn er mir gesagt hätte, dass er bei den Identitären war, hätte ich keine Ahnung gehabt, was das sein soll. Dann hätte ich aber wahrscheinlich gegoogelt."
Hinteregger habe von Sickls Vergangenheit nichts gewusst. Er beendete die Zusammenarbeit.
Der Teamspieler über seine Einstellung und die Werte von Eintracht Frankfurt: "Natürlich spielt das eine Rolle. Wenn ich nur ein bisschen anders denken würde, hätte ich mir nie diesen Status und dieses Leben in Frankfurt aufbauen können. Das wäre komplett widersprüchlich, weil ich diese Toleranz und Weltoffenheit ja verkörpere. Sonst hätte ich ja nie das Gesicht der Eintracht werden können."
Speziell für Martin Hinteregger: Folgend die "Heute"-Noten für die ÖFB-Kicker in den vergangenen vier Länderspielen noch einmal zur Nachlese.
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