Mehr als vier Monate nach seinem Aus als Intendant der Salzburger Festspiele bricht Markus Hinterhäuser (68) sein Schweigen. In einem Interview mit der "Bild" spricht der frühere Festspiel-Chef erstmals ausführlich über seine Entlassung – und übt dabei heftige Kritik an den Verantwortlichen.
Am Rande der "Passauer Runde" im Schloss Fuschl schildert Hinterhäuser, wie sehr ihn die Ereignisse noch immer belasten. "Es sitzt so tief, was passiert ist. Das ist eine große Wunde", sagt er. An eine Rückkehr nach Salzburg denkt er nicht. "Ich werde nicht in Salzburg bleiben." Seine Zukunft sehe er vielmehr in Wien.
Besonders deutlich wird Hinterhäuser bei den Vorwürfen, die letztlich zu seiner Absetzung führten. Wochenlang sei er öffentlich als "toxisch" und "cholerisch" dargestellt worden. Dem hält er entgegen: "In zehn Jahren gab es genau zwei Beschwerden beim Betriebsrat." Diese seien weder an ihn noch an das Kuratorium weitergeleitet worden. Vieles sei konstruiert und gegen ihn verwendet worden. "Ich bin nicht zehn Jahre schreiend durchs Haus gerannt."
Auch bei seiner Rede vor den Gästen der "Passauer Runde" sparte Hinterhäuser nicht mit Kritik. Die Salzburger Festspiele dürften niemals "zu einem Instrument politischer Kleingeistigkeit und politischer Macht" werden, sagte er unter großem Applaus. Personen, die heute glaubten, großen Einfluss auf die Festspiele zu haben, würden irgendwann verschwinden – die Festspiele selbst aber blieben bestehen.
Rückendeckung erhält Hinterhäuser von Kulturmanager Sven Hartberger, der den Umgang mit dem ehemaligen Intendanten in seinem Buch "Das Salzburger Affentheater" scharf kritisiert. Hartberger fordert Transparenz über die Kosten der Trennung.
Auch Hinterhäuser pocht auf Aufklärung. Zwar habe man sich außergerichtlich geeinigt, doch durch eine Klage müsse der Salzburger Festspielfonds nun die gesamten Kosten der Trennung offenlegen. "Das ist sehr viel und das sind Steuergelder", sagt Hinterhäuser. "Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen, das hat völlig verrückte Dimensionen angenommen." Er spricht von einer Steuergeldverschwendung in Millionenhöhe.
Die Salzburger Festspiele weisen die Kritik zurück. Eine Sprecherin erklärte gegenüber der "Bild", die Entscheidung des Kuratoriums, sich von Hinterhäuser zu trennen, ändere nichts daran, dass die Festspiele auch künftig für künstlerische Exzellenz und Weltoffenheit stünden.
Zu den finanziellen Folgen der Trennung wollte sich das Direktorium nicht äußern. Man sei darüber nicht informiert. Zudem hätten Markus Hinterhäuser und das Kuratorium eine einvernehmliche Vereinbarung mit einer Verschwiegenheitsklausel unterzeichnet.