Die Vorbereitungen auf das neue Schuljahr liefen bereits letzte Woche in der Ganztagesvolksschule Diesterweggasse in Wien-Penzing auf Hochtouren. Die Freude auf die Schüler sowie neue Projekte ist groß. Doch ein Problem überschattete die Vorbereitungen: die Hitze im Gebäude.
Am Ende des letzten Schuljahres war die Glut-Hitze in den Klassenräumen bereits unerträglich. Eine Lehrkraft schildert gegenüber "Heute" Zustände, die aus ihrer Sicht für Kinder, Eltern und Pädagogen nicht länger tragbar seien.
Schon im Mai würden sich die Klassenräume derart aufgeheizt haben, dass sich Kinder nach dem Betreten zunächst leichtere Kleidung anziehen mussten. Besonders dramatisch sei die Situation im Juni gewesen. Mehrfach hätten Eltern ihre Kinder wegen Kopfschmerzen oder Nasenbluten aus der Schule abholen müssen, berichtet die Lehrkraft.
Mit steigenden Temperaturen würden zudem Konzentration und Belastbarkeit sinken. Gleichzeitig nehme die Reizbarkeit zu – sowohl bei den Kindern als auch bei den Lehrkräften. Unter solchen Bedingungen sei vernünftiges Lernen kaum möglich. Auch eine Woche vor dem Schulstart gab es keine Lösung für das Problem – dafür aber 33,8 Grad im Klassenraum.
Der Ärger sitzt tief. Denn neu sei das Problem keineswegs. Seit Jahren mache man auf die hohen Temperaturen aufmerksam, heißt es. Der Standort sei auch bereits mehrfach von der zuständigen Magistratsabteilung inspiziert worden. Eine ausreichende Abkühlung habe das aus Sicht der Betroffenen aber nicht gebracht.
Selbst bei mobilen Klimageräten gebe es Probleme. Nach Angaben der Lehrkraft seien Anträge, solche Geräte mithilfe der Klasseneltern anzuschaffen, vom Magistrat nicht bearbeitet beziehungsweise angenommen worden.
Auch das nächtliche Lüften sei immer wieder ein Kampf. Die notwendigen Genehmigungen würden nur sporadisch erfolgen, während sich Schulwarte an bestehende Vorgaben halten müssten, schildert die Lehrkraft.
Die für Wiener Schulen zuständige MA 56 weist gegenüber "Heute" darauf hin, dass die Stadt laufend an Maßnahmen gegen die sommerliche Überwärmung von Schulen arbeite. Bei Neu- und Zubauten sowie – soweit möglich – bei umfassenden Sanierungen würden unter anderem Außenbeschattungen, Begrünungen und moderne Temperierungssysteme berücksichtigt.
Eine wichtige Rolle spiele dabei Geothermie in Kombination mit Wärmepumpen und Bauteilaktivierung. Dabei handle es sich zwar nicht um eine klassische Klimaanlage, Gebäude könnten damit im Sommer aber spürbar temperiert werden.
Für bestehende Schulen würden zudem langfristige bauliche Maßnahmen bis hin zu stationären Klimaanlagen geprüft. Die Stadt betont allerdings, dass solche Lösungen nicht kurzfristig umgesetzt werden könnten und von baulichen, finanziellen sowie ökologischen Voraussetzungen abhingen. Schulen könnten im Rahmen ihrer Autonomie Ventilatoren anschaffen.
Wo notwendig, sei laut MA 56 auch die Einbringung fremdfinanzierter mobiler Klimageräte möglich. Entsprechende Anliegen müssten über die jeweilige Schulleitung eingebracht werden. Darüber hinaus würden gemeinsam mit den Bezirken Maßnahmen wie UV-Schutzfolien oder Außenbeschattungen geprüft.
Zur Situation in der Diesterweggasse 30 erklärt die MA 56, man nehme "jede Anfrage und jede Meldung zum Wohlergehen" der Nutzer ernst. Grundsätzlich würden alle Optionen geprüft, die zu einer spürbaren Entlastung beitragen könnten.
Allerdings müssten dabei die baulichen Gegebenheiten, die technische Machbarkeit und die Finanzierung durch den Bezirk berücksichtigt werden.
Der Neubau am Schulstandort sei laut Stadt bereits mit Außenjalousien ausgestattet worden, um die Erwärmung zu reduzieren. Weitere Maßnahmen könnten künftig gemeinsam mit Experten und der Bezirksvorstehung geprüft und neu bewertet werden.
Damit prallen zwei Wahrnehmungen aufeinander: Während die Stadt auf bestehende und mögliche Maßnahmen verweist, berichten Betroffene weiterhin von massiv aufgeheizten Klassenräumen.
Für die Kinder bleibt entscheidend, was davon tatsächlich im Klassenzimmer ankommt. Denn wenn Kopfschmerzen, Nasenbluten und Konzentrationsprobleme zum Schulalltag gehören, wird aus sommerlicher Hitze schnell ein handfestes Bildungsproblem.