Tirol

Hunde hetzen Kälber über Alm, Wanderin sieht hilflos zu

Trotz zahlreicher Warnschilder hatte eine Frau auf einer Alm im Voldertal ihre Hunde nicht angeleint. Plötzlich attackierten diese die Kälber.

Roman Palman
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    Blick in das Voldertal unterhalb der Vorbergalm: Auf den saftigen Almweiden grasen Kühe.
    Blick in das Voldertal unterhalb der Vorbergalm: Auf den saftigen Almweiden grasen Kühe.
    Wikimedia/Haneburger, CC BY-SA 3.0

    Die Gefahr, die von Kühen ausgehen kann, sollte spätestens seit dem tödlichen Zwischenfall im Stubaital im Jahr 2014 und der folgenden Berichterstattung rund um den umstrittenen Prozess gegen den Landwirten hinlänglich bekannt sein. Trotzdem gibt es offenbar immer noch Almbesucher, die scheinbar einfach nicht hören wollen und alle Warnungen in den Wind schlagen.

    So kam es jetzt im Tiroler Voldertal erneut zu Szenen, die die Almbauern der Agrargemeinschaft Vorberg in Wut und Rage versetzen – und gleichzeitig verzweifeln lassen. Augenzeugin Maria Klingenschmid, vom lauten Gebell alarmiert, filmte den Vorfall auf einer der Almwiesen mit ihrem Handy mit: In den Aufnahmen (siehe Video unten) ist eine Frau zu sehen, die sich mit ihren zwei freilaufenden Hunden einer Herde Kälber näher. Plötzlich prescht eines der Tier vor und geht die jungen Rinder an. Wenig später kommt der zweite Hund dazu und drangsaliert ebenfalls die Kühe.

    Gegenüber dem ORF schildert Klingenschmid, dass die Besitzerin immer wieder ihre vierbeinigen Begleiter zurückgerufen habe, doch diese hätten alle Kommandos ignoriert. Dass dieser Zwischenfall keinen schlimmen Ausgang genommen habe, sei pures Glück gewesen. Zum Zeitpunkt des Vorfalls waren nämlich nur die Kälber, nicht aber die Mutterkühe auf der Alm.

    Problem liegt "am anderen Ende der Leine"

    Kühe seien normalerweise sehr ruhig, doch bei so einer Gefahr hätten sie ihren Nachwuchs bis zum bitteren Ende verteidigt, erklärt Agrargemeinschaftsobmann Julius Schmiderer. Dass es überhaupt zu diesem Vorfall kam, ist für die ansässigen Landwirte unverständlich. Schließlich habe man seit dem Kuh-Urteil überall Warnschilder angebracht. Es gebe aber leider immer wieder die "berühmten fünf Prozent", die sich nicht an die Regeln halten, wird Schmiderer weiter zitiert. Manchmal sei das größere Problem nicht beim Hund, sondern "eben am anderen Ende der Leine zu Hause".

    Die Bauern im Voldertal fühlen sich angesichts solcher Zwischenfälle machtlos. Immerhin war der Stubaitaler Landwirt wegen der vom OGH bescheinigten Teilschuld zu einer hohen Schadenersatzzahlung verpflichtet worden. Julius Schmiderer fordert nun klarere Regeln für solche "Begnungszonen" zwischen Rindern und Wanderern – und ein höheres Maß an Eigenverantwortung von letzteren. 

    "Ham's euch alle ins Hirn gschissn?"

    Wenig zu diesem Wunsch dürfte eine neue, völlig unsinnige Tiktok-Challenge beitragen, die aktuell ihre Runde durch das Internet macht. Darin geht es darum, Tiere mit ruckartigen Tanzbewegungen zum Song "Kulikitaka" von Toño Rosario zu erschrecken. Mussten zuerst Haustiere wie Hunde und Katzen darunter leiden, finden sich auch immer mehr Videos, in denen Kühe in Panik versetzt werden.

    Vielen Bauern, Almbesitzern und Landwirten reicht es jetzt. Einer, der sich lautstark ebenfalls auf TikTok zu Wort meldet, ist Georg Doppler. "Grieß eich, liebe gehirnamputierte Vollpfosten auf TikTok und i waß net wo noch überall", begrüßt er die Zuseher in einem Video. Zum Kuh-Erschrecken-Trend sagt er: "Sagts mal ernsthaft, hams euch alle ins Hirn gschissen?". Er warnt davor, dass die Tiere ihre Weiden und Kälber verteidigen: "Die rennen über euch drüber, so schnell könnts gar nicht schauen."