'Ibiza-Falle für Strache und Gudenus war dilettantisch'

Der Detektiv, der die Identität eines Lockvogels herausfand, spricht mit "Heute.at" über Ibiza und verrät, warum der Plan in Wien besser funktioniert hätte.
An einem heißen Abend im August 2017 fuhren Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus ihre Polit-Karrieren an die Wand. Dabei tappten sie in eine Videofalle, die geradezu dilettantisch ausgelegt war, sagt der Privatdetektiv Martin Ulm.

Er hat den Fall für "eu-infothek" recherchiert. Die Plattform war vor der Ibiza-Affäre recht unbekannt, veröffentlichte danach allerdings teilweise als erstes neue Erkenntnisse über die Hintermänner. Ulm deckte den Namen des Begleiters des weiblichen Lockvogels auf: Julian H.

Als Ulm sich mit "Heute.at" zum Gespräch trifft, trägt er ein weißes Hemd unter einem blauen Sakko, dazu Jeans. Mit einem breiten Grinsen setzt er sich an den Tisch in einem Lokal im ersten Bezirk und lässt durchblicken, was er von der Truppe hält, die Strache und Gudenus in die Villa auf Ibiza gelockt haben soll: "Ich glaube, dass die alle nicht besonders klug sind, das sind keine Profis."

"Miserable" Kameratechnik



CommentCreated with Sketch.12 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Bereits die mutmaßliche Kontaktherstellung zwischen der "Oligarchin" und Gudenus durch den Wiener Anwalt M. in dessen Kanzlei sei "extrem schlecht gemacht" gewesen: "Als Anwalt muss man sich eine Geschichte zurechtlegen, wie man zu der Frau gekommen ist. Für mich war klar: Wer sich für die Oligarchin eingesetzt hat, steckt in der Sache drin."

Ulm bezeichnet die Kameratechnik des Videos als "miserabel", außerdem habe der "Sicherheitsberater" Julian Thaler, der eigentlich Julian H. heißt, einen großen Fehler begangen. Der Mann mit der weißen Hose tritt nicht nur in dem Video auf, sondern ist auch dabei zu sehen, wie er die versteckten Kameras einrichtet. "Das ist ja besonders unklug", sagt Ulm. "Andernfalls hätte er behaupten können, er sei ebenfalls reingelegt worden."

Keine Reise nötig



Zudem, so Ulm, dürfte die Truppe auf Ibiza Spuren hinterlassen haben: "Wenn die Behörden ermitteln, haben sie ein leichtes Spiel." Der Flug nach Ibiza, die Miete der Airbnb-Villa: "Da gibt es sicher Kreditkartenabrechnungen. Irgendwer muss das Haus bezahlt haben."

Besonders skurril: "Für die Falle braucht man nicht nach Ibiza fliegen. In Wien wäre das viel einfacher und diskreter möglich gewesen. Bei einem Treffen in einem Lokal hätte man auch mitfilmen können – da gibt es aber keine Spuren. Das hätte man auch mit viel weniger Aufwand und Geld machen können."

Google-Suche hätte Ärger erspart



Anwalt M. soll Gudenus gefälschte Belege für die Zahlungsfähigkeit der "Oligarchin" gezeigt haben – sie gab vor, ihm ein Grundstück abkaufen zu wollen. Ulm versteht, dass der Ex-FPÖ-Politiker der vermeintlichen Vertrauensperson Glauben schenkte.

In anderen Punkten sei er aber in der Lage gewesen, die Angaben zu überprüfen: "Gudenus hätte nach 'Julian Thaler' im Internet suchen können – und hätte gemerkt, dass es einen solchen Sicherheitsberater nicht gibt." Und die "Oligarchennichte"? "Das ist ein Wahnsinn, das wäre mit einer Google-Suche in Minuten aufgeklärt gewesen." Die Frau stellte sich als "Aljona Makarowa" vor. Der russische Milliardär Igor Makarow erklärte nach Bekanntwerden der Affäre, er habe keine Nichte.

"Grenze überschritten"



In Medien werden Produktionskosten von Hunderttausenden Euro kolportiert. "Das Video wäre mit dem technischen Aufwand auch um 30.000 Euro möglich", sagt Ulm. "Bei einem Verkaufsinteresse würden anfangs nur die Spesen anfallen. Die Beute wird danach aufgeteilt."

Um dermaßen hohe Kosten anzuhäufen, müssten alle Beteiligten vorab fürstlich entlohnt worden sein. In Osteuropa habe man mit derartigen Operationen Erfahrung – auch wenn das "Kompromat" meist nicht veröffentlicht wird. Und: Seriöse Detektive in Österreich würden solches Material ohnehin niemals produzieren.

Ulm sieht mit der Ibiza-Affäre eine Grenze in Österreich überschritten. "Das haben viele Menschen noch nie gesehen – wie ein Politiker im Ruderleiberl offen redet", sagt der Detektiv. "Da werden noch ganz andere Sachen kommen." (lu)

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