Immer wieder muss Chiara Pisati (30) tief durchatmen. Während sie von einem der schwersten Kapitel ihres Lebens erzählt, ringt sie nach Worten, schluckt mehrmals schwer. Zwischendurch laufen ihr Tränen über die Wangen. Es ist das erste Mal, dass das XXXLutz-Werbegesicht öffentlich über die Fehlgeburt ihres ersten Kindes spricht.
"Ich bin damals (Anm.: 2025) schwanger ins Jahr gestartet – völlig überraschend, ich wusste es anfangs gar nicht", erzählt sie im Gespräch mit "Heute". Als sie im dritten Monat bereit war, ihrer Mutter und ihrer Oma von der Schwangerschaft zu erzählen, überwog die Vorfreude. Doch kurz davor folgte beim Ultraschalltermin die niederschmetternde Nachricht. "Dort hieß es dann, dass sich das Baby nicht gut entwickelt."
Während sie diese Momente schildert, wird ihre Stimme leiser. Noch heute fällt es ihr schwer, darüber zu sprechen. Zunächst habe sie die Diagnose nicht akzeptieren wollen. "Ich habe mir immer wieder gesagt: 'Aber das wird ja vielleicht noch.'"
Doch die Ärzte machten ihr keine Hoffnungen. Weil ihr Körper das Baby nicht selbst abgestoßen hatte, erhielt sie Medikamente zur Einleitung der Wehen. Eine Erfahrung, die sie bis heute fassungslos macht. "Du bekommst die Tabletten beim Arzt und wirst dann nach Hause geschickt. Ohne Betreuung. Im Grunde machst du eine Geburt durch. Alleine."
Als sie von den Stunden danach erzählt, kommen erneut die Tränen. "Ich habe angefangen zu bluten und sofort extrem starke Wehen bekommen", sagt sie. Es seien Schmerzen gewesen, die sie nie vergessen werde. "Das waren echte Geburtswehen. Vier Stunden lang. Ohne Pause. Ein sogenannter Wehensturm."
Eine Erinnerung, die sie bis heute verfolgt. "Ich dachte wirklich, ich sterbe." Kurz darauf folgt jener Satz, bei dem sie erneut nach Worten suchen muss: "Und das Schlimmste daran, ich war komplett alleine damit."
Doch nicht nur die Fehlgeburt selbst traf sie unvorbereitet. Auch die Wochen danach wurden zu einer körperlichen und emotionalen Belastungsprobe. "Danach habe ich 5 Wochen lang durchgeblutet. Wirklich wochenlang." Sie habe nicht gewusst, dass auch nach einer Fehlgeburt eine Art Wochenbett folgen könne. "Ich habe Windeln getragen, mehr als später im Wochenbett nach der Geburt."
Immer wieder spricht Pisati über Schuldgefühle, die viele betroffene Frauen kennen. "Du denkst, dass etwas nicht mit deinem Körper stimmt und fühlst dich schuldig." Gleichzeitig ärgert sie, wie wenig offen über Fehlgeburten gesprochen wird. "Aber kaum jemand spricht über seine Fehlgeburten. Und kaum wer geht ins Detail und erzählt wie sie abgelaufen ist. Es ist immer noch ein Tabuthema."
Genau deshalb habe sie sich nun entschieden, ihre Geschichte öffentlich zu machen. Wieder schluckt sie kurz, bevor sie sagt: "Jetzt bin ich Mama und möchte anderen Frauen zeigen, dass sie nicht alleine sind."
Heute hält sie ihr Regenbogenbaby in den Armen. Die Wunden seien nicht vollständig verheilt, das merkt man im Gespräch. Doch sie möchte anderen Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen, dass ihre Gefühle berechtigt sind.
Wichtig ist ihr, allen Frauen, die Ähnliches erleben müssen zu sagen, dass sie nicht alleine sind. "Eine Fehlgeburt wird oft als kurzer medizinischer Zwischenfall behandelt, aber das wird der Realität nicht gerecht. Für die betroffenen Frauen ist es ein körperlicher Ausnahmezustand und gleichzeitig ein echter Verlust."