Jetzt wird es ernst für das ÖFB-Team! Etwas mehr als 24 Stunden vor dem ersten WM-Spiel Österreichs seit 28 Jahren haben Teamchef Ralf Rangnick und seine Mannschaft erstmals das Stadion in Santa Clara kennengelernt.
In der Heimstätte der San Francisco 49ers werden am Mittwoch gegen Jordanien rund 65.000 Fans erwartet. Die Arena bietet knapp 69.000 Zuschauern Platz.
Die Bedingungen vor Ort passen. Der Rasen präsentierte sich in Topzustand. "Noch ein bisschen hart ist er", meinte Kapitän David Alaba und hoffte auf zusätzliche Bewässerung. Rangnick schwärmte: "Der Rasen hat Golfplatz-ähnliche Züge."
Am Tag vor dem historischen Spiel herrschte beim ÖFB-Team volle Konzentration. "Wir werden das Spiel so bestreiten, als ob es ein Endspiel wäre", stellte Rangnick klar. Vor allem vor den schnellen Gegenstößen der Jordanier ist Österreich gewarnt. "Sie locken den Gegner gerne an und spielen dann mit langen Bällen schnelle Konter", erklärte der Teamchef.
Genau diese Absicherung hatte beim letzten Test gegen Tunesien nicht immer funktioniert. Rangnick sieht sein Team aber gut vorbereitet. "Das war genau das Thema, das sich durch die letzten zehn Trainingstage gezogen hat. Wir haben noch einmal aufgezeigt, was wir gegen Tunesien nicht so gut gemacht haben, und in den letzten drei Einheiten den vollen Fokus darauf gelegt. Wenn wir das so auf den Platz bringen wie im Training, mache ich mir absolut keine Sorgen."
Die Startelf steht bereits fest. Rangnick hatte die Aufstellung nach eigener Aussage seit Donnerstag im Kopf, seit Samstag kennt sie auch die Mannschaft.
Die bisherigen Überraschungen bei der WM sieht der Deutsche nicht als zusätzlichen Warnschuss. "Ich glaube nicht, dass meine Mannschaft einen Warnschuss gebraucht hat. Sie weiß, was für ein Gegner auf uns zukommt", sagte Rangnick. Die Ergebnisse hätten aber gezeigt, "wie viel man heutzutage noch auf Favoritenrollen zählen kann".
Im ÖFB-Lager nehme jedenfalls niemand den Außenseiter auf die leichte Schulter. "Niemand glaubt, wir können das im Vorbeigehen gewinnen", betonte Rangnick. Eine Neuerung sind für beide Teams die Trinkpausen nach rund 22 Minuten. Die bisherigen WM-Spiele zeigten bereits, dass diese Unterbrechungen für dominante Mannschaften auch zum Nachteil werden können. "Die Cooling Breaks können Vor- und Nachteile haben", sagte Alaba. "Aber darüber haben wir uns nicht wirklich Gedanken gemacht."
Rangnick sieht darin sogar eine Chance. "Weil wir als Trainerteam auf die Mannschaft einwirken können", erklärte der Teamchef. Der Deutsche verwies auf andere Sportarten wie Handball oder Basketball, in denen solche Unterbrechungen längst normal seien. "Wir haben zuletzt auch das NBA-Finalspiel gesehen. Da waren noch 28,8 Sekunden auf der Uhr und durch die Unterbrechungen hat es dann 20 Minuten gedauert", sagte Rangnick.
Durch VAR-Checks, Nachspielzeiten und Cooling Breaks dauern Fußballspiele inzwischen deutlich länger als früher. Irgendwann gegen 23 Uhr Ortszeit wird in Santa Clara der Schlusspfiff ertönen.
Rangnick gab seinem Team dafür noch eine klare Botschaft mit: "Wir müssen zwischen 21 und 23 Uhr auch richtig Spaß haben." Auch seine persönliche WM-Premiere will der Teamchef genießen. "Ich möchte das innerlich ein Stück weit feiern können. Und es liegt an uns, dass wir auch nach dem Spiel feiern können."