Identitären-Chef schimpft ÖVP-Mann "Heimatverräter"

ÖVP-Abgeordneter Martin Engelberg
ÖVP-Abgeordneter Martin EngelbergMichael Gruber / EXPA / picturedesk.com
Identitären-Chef Martin Sellner hat einmal mehr die rote Linie überschritten. In einem Video beschimpft er VP-Abgeordneten Martin Engelberg (60) wüst.

Die verbale Wut-Salve, die Martin Sellner in einem Video auf den Nationalratsabgeordneten Martin Engelberg abfeuert, ist nur mit einem Wort zu beschreiben – niederträchtig. Der Chef der rechtsextremen identitären Bewegung heißt den 60-jährigen ÖVP-Politiker einen "miesen Heuchler", "antipatriotischen Heimatverräter" – und, mehr noch, einen "Heimatlandzerstörer". Er habe "jeden christlichen Wert über Bord geworfen" und sei "eine verachtenswerte Person", donnert Sellner.

Antisemitismus-Vorwürfe gegen Sellner

Der Video-Eklat hatte einen Sturm der Entrüstung in den sozialen Netzwerken zur Folge. Vor allem, da Engelberg sich wiederholt in der Öffentlichkeit zu seinem jüdischen Glauben bekannt hat – und mit der Direktorin des Jüdischen Museums, Danielle Spera, verheiratet ist – kamen rasch Antisemitismus-Vorwürfe auf. Klare Worte fand am Samstag Verfassungsministerin Karoline Edtstadler. 

Auf Twitter schrieb die ÖVP-Ministerin: "Antisemitismus hat viele Gesichter. Der in einem Video von Martin Sellner getätigte verbale Angriff auf den Nationalratsabgeordneten und bekennenden Juden Martin Engelberg ist ein lebendiger Beweis für den allgegenwärtigen Antisemitismus in der rechtsextremen Szene. Sollte sich die Echtheit dieses Videos bestätigen, fordere ich die FPÖ und insbesondere Herbert Kickl eindringlich auf, sich jetzt klar von den Identitären, deren Chef Martin Sellner und den von diesem getätigten Aussagen zu distanzieren!"

VP-Mahrer: "Umgehend Konsequenzen in FPÖ"

Sellner pries in dem nun kursierenden Clip FP-Klubchef Herbert Kickl. "Umso klarer und deutlicher scheint Kickl gegen diese Gesichter", huldigte Sellner dem blauen Politiker. ÖVP-Sicherheitssprecher Karl Mahrer (er ist ehemaliger Wiener Polizei-General) zeigte sich entsetzt von der "antisemitischen verbalen Attacke". Sellner äußere "im selben Atemzug überschwängliches Lob für den Klubobmann der FPÖ, Herbert Kickl", kritisiert Mahrer.

Hintergrund für das Wut-Video: Engelberg hatte sich vor sechs Tagen in einer Presseaussendung über die Anbiederung des FPÖ-Klubobmannes Herbert Kickl an die identitäre Bewegung "entsetzt" gezeigt. Diese spreche Bände, so Engelberg via OTS.

Am Samstag wiederholte Parteikollege Mahrer diese Kritik: "In den vergangenen Wochen und Monaten hatten sich Kickl und sein engster Verbündeter, Generalsekretär Schnedlitz, immer weiter an die Identitäre Bewegung angenähert und jede Aufforderung der Distanzierung konsequent ausgeschlagen", behauptet er – und fordert: "Die nun publik gewordene antisemitische Attacke der Identitären muss umgehend zu Konsequenzen in der FPÖ führen. FPÖ-Chef Hofer ist gefordert, diesem rechtsextremen Spuk in seiner Partei endlich ein Ende zu setzen."

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