Bereits jetzt können wir uns unsere Möbel vom Sofa aus bestellen, bald können wir sie von dort aus womöglich auch anfassen. Besucher der Messe Swissbau konnten sich vergangene Woche in Basel ein Bild davon machen, wie das aussehen könnte.
Aufgefallen ist die Demonstration jedenfalls: Auf Ebene 2.1 fand sich eine Ausstellungsbox mit grasgrünen Wänden und einem ebenso grün gefärbten Boden. Mitten in diesem billardtischgrünen Kasten: ein Mensch mit VR-Brille, der sich scheinbar unsinnig im Nichts verrenkte, drumherum jede Menge Elektronik, Bildschirme, Kameras und einige neugierige Messebesucher.
Womöglich verrenken wir uns in naher Zukunft genauso, wenn wir Möbel aussuchen. Der grüne Kasten ist eine virtuelle Küche. Vor dem "Betreten des Raumes" bekommt der Besucher eine VR-Brille und zwei Bediengeräte, seine virtuellen "Hände". Damit kann er Dinge bewegen und anfassen, Schubladen schließen und Schranktüren öffnen.
Küche besichtigen ist wie Gamen
Dahinter steckt jede Menge Programmierung. "Das ist nicht anders wie beim Gaming", erklärt Rajan Wegmann von der Echtzeit GmbH, die die virtuelle Umgebung zusammen mit der Veriset AG und anderen Küchenherstellern aufgebaut hat. Mit der einen oder anderen Einschränkung: "Den Modus 'Fortbewegen' haben wir ausgeschaltet. Sonst würde der Kunde ständig gegen den Schrank laufen", sagt Wegmann. Auf dem Bildschirm vor ihm nimmt der Tester derweil einen Kochtopf in die Hand, betrachtet ihn von allen Seiten und stellt ihn zurück auf den Herd. Vor dem Greenscreen sieht das wie Pantomime aus, auf dem Bildschirm wie im Videospiel.
Die virtuelle Küche ermöglicht es Kunden zum Beispiel, einzuschätzen, wie breit der Platz zwischen Herd und Schrank wirklich ist oder wie hoch die Arbeitsflächen sind. Er kann feststellen, ob die obersten Schrankfächer erreichbar sind oder ob der Herd nicht doch zu tief unten eingebaut ist.
In Zukunft ließe sich diese Besichtigung bequem im eigenen Wohnzimmer organisieren. Per Software wird das Bild des Testers in die virtuelle Küche projiziert. Für den Kunden ist das egal, denn er sieht die virtuelle Küche ja. Für die Techniker des Unternehmens Echtzeit ist es eine große Hilfe. Sie können dabei zusehen, wie sich der Besucher in der Küche zurechtfindet und was er gerade macht.
Noch gibt es wenige Haushalte mit VR-Ausrüstung
Eine reine Spielerei ist die virtuelle Küche nicht. Noch gibt es aber nur wenige Haushalte mit VR-Ausrüstung, dies könnte sich bald ändern. Auch andere Unternehmen experimentieren mit virtuellen Ausstellungsräumen. Das spart Ausstellungsfläche und dem Kunden das Gedrängel im Möbelhaus. Mitte 2017 stellte beispielsweise Ikea eine auf der Oculus-Rift-Brille basierende Lösung vor. Allerdings gibt es diese nur in der Filiale zum Ausprobieren.