Immer weniger Wiener haben eigenes Auto

Immer weniger Wiener haben ein Auto.
Immer weniger Wiener haben ein Auto.Sabine Hertel
Die Hälfte der Wiener benötigt im täglichen Leben kein Auto, auch die Anzahl der Pkw ist in der Hauptstadt stark zurückgegangen.

Wien ist anders, auch bei der Mobilität: Während in Österreich außerhalb Wiens in den vergangenen zehn Jahren die Anzahl der Autos mehr zugenommen hat als die Einwohnerzahl – 629.000 Pkws kommen auf 329.000 Personen –, war es in Wien umgekehrt: Die Bevölkerungszahl ist viermal so stark gestiegen wie die Anzahl der Autos, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Und während die Mehrheit der Autofahrer in Österreich im täglichen Leben laut eigenen Angaben auf das Fahrzeug angewiesen ist, benötigen die Wiener im täglichen Leben kein Auto, berichtet zusätzlich AutoScout 24.

Besonders auffällig: Für knapp mehr als die Hälfte der zusätzlichen Autos in der Hauptstadt waren nur zwei Bezirke – die Donaustadt und Favoriten – verantwortlich. Aber selbst in den Bezirken, wo der Pkw-Bestand in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen ist, war das Bevölkerungswachstum zwei bis dreimal so hoch, berichtet der VCÖ. Österreichweit am niedrigsten ist die Anzahl der Autos pro 1.000 Personen in Rudolfsheim-Fünfhaus mit 275 Fahrzeugen, vor Margareten mit 278.

VCÖ-Verkehrsexperte Michael Schwendinger
VCÖ-Verkehrsexperte Michael SchwendingerRita Newman

1.986 Autos verstellen vier Fußballfelder

Obwohl am Alsergrund um über 2.500 Menschen mehr leben als noch 2010, ist die Zahl der Pkw um 1.968 zurück gegangen. "1.960 Pkw benötigen zum Parken eine Fläche, die größer ist als vier Fußballfelder. Sinkt die Anzahl der Pkw wird Platz frei, etwa für Grünflächen, breitere Gehsteige oder für Kinder-Spielplätze", verdeutlicht VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Verkehrsclub fordert Ausbau der Rad-Infrastruktur

Einen Lösung, wie der Pkw-Bestand weiter sinken könnte, sieht der VCÖ in verstärkte Sharing-Angebote. Die rund 85.000 Zweit- und Drittautos der Wiener würden nämlich laut Experten im Schnitt nur rund 6.400 Kilometer pro Jahr gefahren. "Damit sind diese Autos im Schnitt nicht einmal eine halbe Stunde am Tag im Einsatz und sind mehr als 23 Stunden am Tag Stehzeuge", rechnet Schwendinger vor. Neben mehr Sharing-Angeboten fordert der VCÖ auch einen verstärkten Ausbau der Rad-Infrastruktur, damit auch Familien mit Kindern häufiger mit dem Fahrrad fahren können. Nötig seien zudem weitere Verbesserung des Öffi-Angebots. Und dort, wo Busse derzeit im Stau stehen, sollen Busspuren errichtet werden. "Öffi-Fahrgäste tragen durch ihr Mobilitätsverhalten wesentlich zur Stauvermeidung bei und sollen daher selber nicht im Stau stehen müssen", so Schwendinger.

So schauen die Pkw-Zahlen in deinem Bezirk aus (Vergleich 2010 - 2020)

Alsergrund: minus 1.968 Pkw (plus 2.557 EW)
Margareten: minus 1.963 Pkw (plus 2.808 EW)
Brigittenau: minus 1.282 Pkw (plus 4.302 EW)
Mariahilf: minus 1.164 Pkw (plus 2.334 EW)
Neubau: minus 1.101 Pkw (plus 1.903 EW)
Josefstadt: minus 967 Pkw (plus 1.621 EW)
Innere Stadt: minus 836 Pkw (minus 478 EW)
Rudolfsheim-Fünfhaus: minus 671 Pkw (plus 6.011 EW)
Wieden: minus 474 Pkw (plus 2.887 EW)
Landstraße: plus 354 Pkw (plus 8.635 EW)
Hernals: plus 414 Pkw (plus 4.720 EW)
Hietzing: plus 463 Pkw (plus 3.038 EW)
Währing: plus 586 Pkw (plus 3.812 EW)
Ottakring: plus 1.000 Pkw (plus 8.323 EW)
Leopoldstadt: plus 1.469 Pkw (plus 11.162 EW)
Döbling: plus 2.212 Pkw (plus 6.055 EW)
Meidling: plus 2.513 Pkw (plus 9.625 EW)
Penzing: plus 2.896 Pkw (plus 9.575 EW)
Simmering: plus 6.079 Pkw (plus 14.988 EW)
Liesing: plus 7.733 Pkw (plus 18.235 EW)
Floridsdorf: plus 8.738 Pkw (plus 27.368 EW)
Favoriten: plus 10.602 Pkw (plus 32.517 EW)
Donaustadt: plus 16.438 Pkw (plus 39.735 EW)
Wien: plus 51.034 ( plus 221.733 EW)

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