Mückstein floppt mit Impfbrief an 1,4 Millionen Bürger

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (GRÜNE)
Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (GRÜNE)Tobias Steinmaurer / picturedesk.com
1,4 Millionen Österreicher wurden von Gesundheitsminister Mückstein in einem persönlichen Brief zur Impfung aufgefordert. Gebracht hat es wenig.

Im Rahmen ihres Pandemie-Managements setzt die Bundesregierung immer wieder Maßnahmen, deren Wirkung sich nur schwer quantifizieren lassen. Bei den durch Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein und Sozialversicherung verschickten Impf-Briefen an 1,4 Millionen ungeimpfte Österreicher ist das hingegen einfach. Das Ergebnis ist allerdings vernichtend, wie das Sozialministerium nun zugeben muss.

Nur 4,3 Prozent der Angeschriebenen folgten auch dem Impfaufruf mit konkretem Terminvorschlag und ließ sich zumindest einmal ein Jauckerl verpassen. In realen Zahlen: nur 60.000 aus 1.400.000 Personen. Der Großteil habe den Schrieb einfach ignoriert, so das Mückstein-Ressort. Abseits der Schreiben wurden seit Ende November 400.000 Menschen erstgeimpft – also um ein Vielfaches mehr.

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Brief kam zu spät

Verhaltensökonom Florian Spitzer vom Institut für Höhere Studien (IHS) spart bei seinem Auftritt dazu im "Ö1 Morgenjournal" nicht mit Kritik. Dieser Brief sei viel zu spät ausgeschickt worden und "wäre etwas früher im Sommer besser gewesen". Da sei die Situation zum einen noch nicht so festgefahren und zum anderen die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen bereits Falschinformationen über die Impfung aufgesessen sind, nicht so hoch gewesen.

Der Experte stellt auch in Frage, ob die zugeteilten Termine verbindlich genug – was sie ja nicht waren – gewirkt hätten. Das Ministerium hätte nur Tage, aber keine Uhrzeiten dabei angegeben.

Dadurch hatte die Verschärfung der Corona-Regeln auf 2G und der Lockdown für Ungeimpfte offenbar mehr Auswirkungen auf das Impfverhalten als Mücksteins Brief. 

Unerwünschte Nebenwirkungen

Es sei wenig überraschend, wenn der Druck einen stärkeren Verhaltenseffekt ausgelöst haben könnte, analysiert der Verhaltensökonom. Das ist allerdings nichts, worauf man stolz sein sollte, denn dadurch kam es zu unerwünschten Nebenwirkungen. Spitzer: "Die Demonstrationen, die stattfinden, und, dass das Thema so negativ behaftet ist." Bei der nun kommenden Impfpflicht müsse man deshalb weiter auf niederschwellige Aufklärung setzen.

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