Neue Studie

In diese Wiener Bezirke wollen die meisten Migranten

Mit einer neuen mathematischen Berechnung soll nun aufgezeigt werden, wo sich Migranten am ehesten niederlassen.

Lukas Leitner
In diese Wiener Bezirke wollen die meisten Migranten
Einzelne Bezirke in Wien sind von Migration stärker betroffen als andere.
picturedesk.com

Es ist eine simple Frage, die sich Wissenschafter des Complexy Science Hub in Wien stellten: "Wonach richtet sich, wohin die Menschen gehen, wenn sie ihr ursprüngliches Herkunftsland verlassen?" Das wolle man jetzt mit der Hilfe eines mathematischen Modells beantworten und somit die Zuwanderung in den verschiedenen Bezirken vorhersagen.

Die Studie

Die Basis dafür bildet die Zahl der Migranten, die bereits im jeweiligen Land vorhanden sind. Modelle, die es bis jetzt gibt, würden sich nämlich nur auf die Bevölkerungsgröße und die Reisedistanz stützen. Das soll aber nicht immer ausschlaggebend sein. "Interessanterweise migrieren Menschen jedoch oft über weite Strecken und zu kleineren Zielen, wenn ihre Diaspora (ethnische und/oder religiöse Minderheiten, Anm.) an diesen Orten präsent ist. Wenn es also irgendwo bereits Menschen gibt, werden andere folgen", so Studienautor Rafael Prieto-Curiel.

Mit seinem Team analysierte der Mathematiker die Zahl der Menschen in Österreich aus verschiedenen Herkunftsländer. Die vier größten davon sind zurzeit die Ukraine, Deutschland, Syrien und Serbien. Das Modell greift dabei auf Zahlen aus dem Jahr 2022 zurück. Dabei handelt es sich um jene Menschen, die im November 2022 sich in Österreich aufhielten und jene, welche 200 Tage später ins Land einreisten. Das ergibt einen Datenumfang von 1,5 Millionen in Österreich lebende Personen, die im Ausland geboren wurden.

Gleiches zieht sich an

Die Ergebnisse lagen dabei direkt auf der Hand. Wie das Sprichwort schon sagt "Gleiches zieht sich eben an", ist das auch hier der Fall. Denn wo bereits viele Menschen eines Herkunftslandes leben, ist die Wahrscheinlichkeit um einiges Höher, dass sich Personen mit der gleichen Nationalität dort ansiedeln.

"Wir können beobachten, dass es selbst mit sehr wenigen Informationen – nämlich der Nationalität der Menschen und der Größe der entsprechenden Diaspora in einer bestimmten Zielregion – möglich ist, Migrationsbewegungen mit einem hohen Grad an Genauigkeit zu rekonstruieren und auch vorherzusagen", sagt Prieto-Curiel.

Das sind die Ergebnisse für Wien

Die Berechnungen der Studie stimmen mit den tatsächlichen Zahlen zu einem großen Teil überein. Das zeigen die Berechnungen der Migrationsströme von den vier Herkunftsländern in Wien. Für die Ukraine projizierte man eine erhöhte Zuwanderung für den 2., 3. und 10. Wiener Gemeindebezirk. Die tatsächlichen Zahlen bestätigten dies für den 2. und 10. und nur einer kleiner Minderung im 3. Bezirk.

Für Migranten aus Deutschland sagte die Studie vorher, dass sie sich im 2. und 3. Bezirk ansiedeln würden. Für den dritten Gemeindebezirk stimmte das auch, im anderen waren es etwas weniger.

Für Menschen aus Syrien und Serbien wurde angenommen, dass sie sich am ehesten im 10. Bezirk wiederfinden würden und etwas schwächer im 21. Bezirk. Hier trafen die Berechnungen genau ins Schwarze.

Ist Diaspora das einzige Kriterium

Dass sich eine Person eher an einen Ort begibt, an dem seine Nationalität schon vertreten ist, bleibt dabei aber nicht die einzige Variable. Auch die wirtschaftliche und finanzielle Komponente müssen zudem beachtet werden. Dazu zählen unter anderem, das Geld, das den Menschen zur Verfügung steht und ob, bzw. wo sie sich das Leben und das Wohnen auch leisten können. "Das hat zum Beispiel mit dem individuell zur Verfügung stehenden Budget, den Mietkosten in einem Bezirk, der Art der Geschäfte und Lokale zu tun.", so Prieto-Curiel.

Das zeigt sich auch ganz klar im Fall der deutschen Studenten in Wien. Diese würden sich am ehesten in der Nähe der Uni ansiedeln. Das Modell weist zudem auf, welche Herausforderungen in der Zukunft bevorstehen. Denn durch den großen Zuwachs von Migranten gleicher Herkunft an nur einem Ort würden Gemeinschaften entstehen, welche eine Integration in das nationale Leben erschweren.

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    HEUTE/Helmut Graf

    Auf den Punkt gebracht

    • Wissenschafter des Complexy Science Hub in Wien haben ein mathematisches Modell entwickelt, um zu untersuchen, wohin Menschen migrieren, wenn sie ihr Herkunftsland verlassen
    • Das Modell basiert auf der Anwesenheit von Migranten im Zielland und zeigt, dass Menschen dazu neigen, sich in Gebieten niederzulassen, in denen bereits eine Diaspora ihrer Nationalität vorhanden ist
    • Obwohl das Modell genaue Vorhersagen treffen kann, müssen auch wirtschaftliche Faktoren und die Integration in die Gesellschaft berücksichtigt werden
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    Akt.