In dieser Schule wird Glück unterrichtet

In den Wiener Volksschulen Friedrichsplatz und Lerngemeinschaft 15 wir Glück gelehrt, wie in der Klasse von Karin Märzinger (Mitte).
In den Wiener Volksschulen Friedrichsplatz und Lerngemeinschaft 15 wir Glück gelehrt, wie in der Klasse von Karin Märzinger (Mitte).Denise Auer
So macht Lernen Spaß: In den Volksschule Friedrichsplatz und LG15 in Wien-Rudolfsheim wird Glück unterrichtet.

Für Schüler gibt es seit Beginn der Pandemie oft wenig zu Lachen. Die Trennung von Freunden, mühevolles Lernen daheim, die Sorge vor Corona, Masken im Unterricht und sehr viel Ungewissheit ließen im Schulalltag die Freude vermissen. Die Volksschulen Friedrichsplatz und Lerngemeinschaft 15 in Wien-Rudolfsheim arbeiten hier aktiv dagegen: Hier wird Glück unterrichtet – auch schon vor Corona.

"Die Kinder in unseren Mehrstufenklassen lernen ab der 1. Klasse, ihre Gefühle zu erkennen und zu benennen. Wir sensibilisieren sie, achtsam mit sich und Anderen zu sein", erklärt Lehrerin Karin Märzinger im "Heute"-Gespräch. Die Tafelklässler drücken beim Bewegen, Zeigen und Darstellen spielerisch aus, was sie brauchen und was nicht. "Unser Glücks-Unterricht ist außerdem die beste Gewaltprävention", freut sich die Pädagogin.

"Für manche ist es normal, dass es daheim Watschen gibt"

Der Schul-Standort im 15. Bezirk bringt Herausforderungen mit sich, die durch den Glücks-Unterricht besser gemeistert werden können. "Wir glauben an Vielfalt und Inklusion. Bei uns haben die Kinder einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund. Für manche ist es trauriger Alltag, dass es daheim Watschen gibt", schildert Direktorin Christine Stadlmann. "Alle Schüler profitieren von unserem Glücks-Unterricht, genau wie die Lehrer und Eltern." Das Thema der gewaltfreien Kommunikation fließt hier ein. 

"Der Glücks-Unterricht sorgt für ein tolles Miteinander an der Schule", sagt Direktorin Christine Stadlmann.
"Der Glücks-Unterricht sorgt für ein tolles Miteinander an der Schule", sagt Direktorin Christine Stadlmann.Denise Auer

Die Lehre zur inneren Zufriedenheit wird nicht als eigenständiges Fach angeboten, sondern als Schwerpunkt, der sich durch den gesamten Unterricht zieht. "Wir zählen zu den ersten Schulen, die das anbieten", so Pädagogin Märzinger weiter. Die Volksschule Friedrichsplatz-LG15 orientiert sich an der Lehre des US-Psychologen Martin Seligmann, der viel zur Depression forschte. Sein "PERMA"-Ansatz liegt dem Glücksunterricht zu Grunde: P steht für "positive Emotion", die kann nur selbst empfunden und bewertet werden; E ist Engagement, R steht für "Relationships", also positive soziale Beziehungen, M meint "Meaning", die Bedeutsamkeit des eigenen Handelns für etwas Größeres als die eigenen Ziele und A ist "Achievement", das Vollendungserlebnis.

"Wir fangen mit dem P an, den positiven Emotionen. Wir wollen die Kinder nicht überfordern, sie sollen ihre Bedürfnisse ausdrücken können. Jeder sollte gesehen und gehört werden, auch die Lehrer", freut sich Direktorin Stadlmann über das Miteinander. Der Glücks-Unterricht haben nichts mit Esoterik zutun, wie manche der Erwachsenen befürchten, sondern mit einer Art zu denken und sich zu begegnen. "Und das kann man trainieren. Wie beim berühmten Glas, das entweder halb leer oder halb voll ist", weiß Lehrerin Märzinger.

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