Wohnen ist nicht nur in Österreich zum Luxusgut geworden, auch in Deutschland ächzen die Menschen unter den hohen Mieten. Die Faustregel, maximal 30 Prozent seines Gehalts für die Warmmiete auszugeben, geht für Menschen – gerade in den Großstädten – oft nicht mehr auf.
Eine Möglichkeit, gerade Menschen mit sehr niedrigen Einkommen unter die Arme zu greifen, ist der soziale Wohnungsbau. Dort sind die Mieten um ein Vielfaches niedriger als auf dem freien Wohnungsmarkt. Aber so günstig wie in der Fuggerei in Augsburg in Bayern sind sie wohl trotzdem nicht. Denn die Miete ist mit 88 Cent pro Jahr, exklusive Nebenkosten und 88 Cent für den siedlungseigenen Pfarrer, wohl unschlagbar. Darüber berichtet der "Focus" in seiner aktuellen Ausgabe.
Wie ist es möglich, dass Menschen zu diesem Preis wohnen können? Die Antwort ist einfach: Die Fuggerei gehört zu einer Stiftung, die wiederum vor 500 Jahren von Jakob Fugger, einem sehr wohlhabenden Augsburger Kaufmann, gegründet wurde. Fugger war Ende des 15. Jahrhunderts der bedeutendste Kaufherr, Montanunternehmer und Bankier Europas.
Wahrscheinlich ließ er die Fuggerei aus Image-Gründen bauen. Hier durften arme Handwerker und Tagelöhner wohnen – für damals einen Gulden und drei Gebete pro Tag (Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Ave-Maria). Auch heute gelten noch dieselben, in der Stiftungsurkunde festgelegten Kriterien. Ob man wirklich betet, kontrolliert zwar keiner, aber zumindest auf dem Papier muss man katholisch sein.
Heute wohnen in der Fuggerei mehr als 150 Menschen, vor allem "finanziell bedürftige Familien, Alleinstehende und Paare aus Augsburg, die trotz Arbeit, Rente oder sozialer Leistungen nicht am 'normalen' Wohnungsmarkt mithalten können", wie die Stiftung auf ihrer Website schreibt. Finanzieren tut sie sich ganz ohne öffentliche Zuschüsse, sondern nur aus dem eigenen Stiftungsvermögen. Am meisten Geld bringt dabei der stiftungseigene Forst.
Aber auch der Eintritt zur Fuggerei ist profitabel: Mit acht Euro ist man dabei, circa 220.000 Besucher kommen im Jahr. Leiten tut die Stiftung, bzw. das Familienseniorat, übrigens ein Nachkomme von Jakob Fugger höchstpersönlich. Alexander Erbgraf Fugger-Babenhausen (41) ist wie sein Vorfahre ebenfalls Banker. Für die Stiftung hat er ambitionierte Pläne: das Konzept des super-sozialen Wohnungsbaus auch international zu etablieren.