Gesundheit

Initiative ermöglicht Schwangerschaftsabbruch zu Hause 

Eine Berliner Initiative ermöglicht Frauen, einen Schwangerschaftsabbruch mit telemedizinischer Begleitung zu Hause durchzuführen. 

Sabine Primes
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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Schwangerschaft abzubrechen – je nachdem, wie weit sie fortgeschritten ist.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Schwangerschaft abzubrechen – je nachdem, wie weit sie fortgeschritten ist.
Getty Images/iStockphoto

Unbeabsichtigt schwanger zu werden, kann jeder Frau passieren und ist nichts, wofür sie sich schämen müsste. Ebenso, wenn die Frau sich entscheidet, das Kind nicht zu bekommen. Die Initiative des Berliner Familienplanungszentrums (FPZ) in Kooperation mit dem Ärzte-Netzwerk "Doctors for Choice" ermöglicht jetzt Abbrüche "wann, wo und mit wem sie es möchte", heißt es aus der Aufklärungsbroschüre. Darüber berichtet der "Spiegel".

Die Möglichkeiten eines Abbruchs

Für die Beendigung einer Schwangerschaft gibt es drei Möglichkeiten: Entweder durch Absaugung, Ausschabung oder medikamentös. Welche Methode die geeignete ist, hängt vom Fortschritt der Schwangerschaft ab. Erfolgt der Abbruch mit Medikamenten, schluckt die Frau bis zur 9. Schwangerschaftswoche zuerst ein Präparat, das die Schwangerschaft stoppt. Zwei Tage später nimmt sie eines, das die Abstoßung des Gewebes fördert. Beide Termine finden normalerweise in einer Praxis oder im Spital statt, mitunter kann die Frau die zweite Arznei auch mit nach Hause nehmen und dort die Blutung abwarten.

Das Prozedere

Diese Variante kann auch zu Hause in telemedizinischer Begleitung gemacht werden. Dafür setzt sich "Doctors for Choice" ein. Zunächst wird geklärt, ob die Voraussetzungen für einen telemedizinischen Abbruch erfüllt sind. Die Frau darf höchstens in der 8. Woche sein, was von einem Gynäkologen bestätigt werden muss. Das vorgeschriebene Beratungsgespräch muss mindestens drei Tage zurückliegen.

In einem Beratungsgespräch klärt dann eine Ärztin des FPZ darüber auf, wie der Abbruch funktioniert und welche Komplikationen auftreten können. Die Kosten von 350 Euro sind von der Frau zu tragen. Wenn die Schwangere sich für den Eingriff entscheidet, werden ihr die Medikamente Mifegyne und Cytotec, die zwei Tage später eingenommen wird, Schmerzmittel, Informationsmaterial und ein spezieller Schwangerschaftstest zugeschickt.

Das erste Medikament wird während eines Videotelefonats mit dem Arzt genommen, um Missbrauch zu verhindern. Bei Einnahme der zweiten Pille muss Unterstützung durch eine zweite Person gegeben sein, falls es zu Problemen mit der folgenden Blutung kommen sollte. 

Kein erhöhtes Komplikationsrisiko

Schwangerschaftsabbruch ist nach wie vor ein kontroversiell diskutiertes Thema. Kritiker befürchten mit der "Tele-Abtreibung" mehr Abbrüche, während das Angebot des FPZ eine Erleichterung für Frauen sein soll. "Einige mögen glauben, dass die Tatsache, dass Abtreibungen schwer zugänglich, unangenehmer und gefährlicher sind, Frauen dazu bringt, ihre ungewollte Schwangerschaft fortzusetzen", sagt Lesley Regan vom Imperial College London in Großbritannien, wo der telemedizinische Schwangerschaftsabbruch seit Beginn der Pandemie erlaubt ist. Aber das ist nicht der Fall. Vielmehr verlagern sich die Eingriffe in die Illegalität und gefährden das Leben der Frau. Dem soll das Angebot entgegenwirken. 

Erfahrungen aus Großbritannien zeigen, dass die Risiken bei einem telemedizinisch begleiteten Abbruch dort ähnlich sind wie in der herkömmlichen Versorgung. Ein Team von Wissenschaftlern hat Daten von mehr als 52.000 Abtreibungen ausgewertet; rund 22.000 Fälle davon wurden ohne, die anderen mit telemedizinischer Begleitung durchgeführt. Es gab keine Unterschiede in der Erfolgsrate oder bei Komplikationen.

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