Instagram zeigt "Gärten des Grauens"

Der wachsende Trend zum "Steingarten" ist nicht nur ökologisch bedenklich. Das gesamte Netz lacht über die aktuell eigenwillige Modeerscheinung.
Kies- und Schottergärten liegen schwer im Trend. Sie entstehen vor Einfamilienhäusern, Mietskasernen und auf Firmengeländen. Kiesverkäufer und Gartengestalter werben mit nur wenigen Wartungsstunden pro Jahr.

Wer einen Garten hat, muss pflanzen, jäten, gießen. Das Kiesbett in Grau, Braun, Rosa und anderen Steinfarben dagegen verspricht ewige Freiheit von Gärtnern, Nachbarschaftsstreit, Insekten und Unkraut. Ein Instagram-Account mit dem Untertitel "Die erste Gartensatire der Welt" macht sich über den Trend lustig.

Hier soll bloß nichts wachsen

Ein Kies- oder Schottergarten ist ästhetisch schlicht, aufgeräumt und mit nur wenig Arbeit immer tipptopp gepflegt. Wenn sich die Eigentümergemeinschaft nicht einigen kann, die Mieter sowieso nicht und alles andere viel zu teuer ist, greifen immer mehr Haushalte zu Stein.

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Um Bewuchs zu verhindern, wird der Boden mit einem Vlies oder einer Plane bedeckt, auf der Kies oder Schotter verteilt wird, damit nichts, aber auch gar nichts wurzelt. Wem Schotter nicht farbig genug ist, der greift zu Glasbruchstücken.

Ökologisch bedenklich

Ökologisch ist das fast immer eine Katastrophe. Die Steine stammen meist aus dem fernen Ausland, zum Beispiel aus Asien. Zur Auflockerung werden oft nicht heimische, pflegeleichte Zierpflanzen gepflanzt. Zum Ärger von Imkern, Stadtgärtnern, Biologen und Klimaspezialisten.



Mit einem Steingarten, der so gestaltet wird, dass zum Beispiel Gebirgspflanzen dort eine passende Umgebung vorfinden, hat ein Schotterbett übrigens nichts zu tun.

Kiesgarten ist das Endgame im Ökopoker

Was dermaßen grünreduziert ist, benötigt weder CO2 zum Wachsen noch Regenwürmer, die den Boden auflockern. Die Artenvielfalt bleibt überschaubar, über den Boden fließt kaum noch Wasser ab. Im Hinblick auf den nächsten und übernächsten Hitzesommer sollten sich die Bewohner urbaner Häuserschluchten zudem gut überlegen, ob sie sich dem Trend anschließen wollen.



Im Vergleich zu einer Straße mit Bäumen und Sträuchern kann es laut Greenpeace auf einer nicht begrünten Straßen um die 20 Grad mehr haben. Gut geeignet wäre ein Schottergarten eher dafür, sich die Auswirkungen von Klimawandel und Artensterben täglich vor Augen zu halten.



Für die nachbarschaftliche Gemeinschaft kann Kies ebenfalls negative Folgen haben. Forscher in Philadelphia haben in einer Studie an 500 Brachflächen herausgefunden, dass es in der Nähe begrünter Fläche weniger Kriminalität gibt. Warum das so ist, wissen sie nicht.

"Gärten des Grauens"

Die erfolgreiche Wüstengestaltung liegt auch nicht jedem im Blut. Gutes Anschauungsmaterial bietet da die Instagram-Seite "Gärten des Grauens", die regelmäßig Bilder steiniger Gartensünden postet, zum Teil mit ironischen oder fast poetischen Kommentaren. Kieswüsten neben Garagentoren, auf denen sich neben einer bepflanzten Schubkarre drei todsicher nie besetzte Klappstühle langweilen, wechseln sich mit Gartenleuchten im Kiesbett und Kunstpflanzen ab.



Wer einen Schottergarten besitzt, muss nebenbei trotzdem aufräumen. Was auf die Steinwüste fällt, muss weg. Seien es Bonbonpapierchen, Blätter, Hundehaufen, Staub oder tote Insekten. Daraus bildet sich früher oder später eine hauchdünne Humusschicht, die nach Arbeit oder Pestiziden verlangt. Sonst gibt die Natur alles und es wächst noch ein wenig Moos. Oder womöglich sogar ein Grashalm.



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