"Intolleranza 1960": "Darauf kann Salzburg stolz sein!“

Thomas Jauck
Am Sonntag feiert die wahrscheinlich ungewöhnlichste Oper dieser Salzburger Festspielen ihre Premiere in der Felsenreitschule. 

Eigentlich ist "Intolleranza 1960" von Luigi Nono (1924-1990) keine klassische Oper, sondern eine "szenische Handlung", deren Texte unter anderem von Berthold Brecht oder Jean-Pauöl Satre stammen. Das zeitgenössische Werk, das 1961 in der Venediger Oper La Fenice uraufgeführt wurde, richtet sich gegen Unterdrückung und Intoleranz wurde in den letzten 60 Jahren bisher nur konzertant aufgeführt. Bis zur Premiere am Sonntag...  

"Dieses Werk musste einfach nach Salzburg", sagt Hauptdarstellerin Sarah Maria Sun im "Heute"-Talk, "ich denke sogar, dass ganz Salzburg dieser Aufführung entgegenfiebern müsste. Es ist ja das erste Mal, dass ein Chor diese komplexe Partie auswendig und szenisch darstellt. Das wird ein riesiges, großartiges Event, glaube ich. Darauf kann Salzburg stolz sein.“

Die Sopranistin Sun (43) gilt unter den Fans der zeitgenössischen Oper als absoluter Superstar und muss natürlich für Werke wie dieses schwärmen. Aber bei den fünfwöchigen Proben hat sie es wirklich genossen zu sehen, wie schnell sich auch andere für Nonos Werk öffnen: "Unsere Tänzer, die sonst eher gar nicht mit Oper in Kontakt sind haben gesagt "Endlich hören wir einmal Oper, die frisch und aktuell klingt. Damit können wir endlich etwas anfangen, denn die anderen Opern sind uns so fremd."

Brutalität trifft auf zerbrechliche Schönheit

Zeitgenössische Oper hat immer noch den Ruf komplex, schwerfällig und somit auch eher schwer verdaulich zu sein. Und in vielen Fällen mag das auch zutreffen. Auf "Intolleranza 1960" trifft das aber nicht zu, meint Sun: "Ich finde das Stück gar nicht schwierig, ganz im Gegenteil, die Klänge sind so direkt und haben Brutalität und Schönheit und sind manchmal zärtlich und dann wieder brachial. Ich glaube, das muss man nicht unbedingt intellektuell verstehen, sondern kann es einfach nur spüren."

Was die Inszenierung in der Felsenreitschule auszeichnet, ist auch ihre Größe, denn hier werden bis zu 100 Personen gleichzeitig miteinander auf und rund um die Bühne miteinander interagieren. "Das Ziel war es, dass die Tänzer, der Chor und die Solisten miteinander verwachsen und dass das Ganze zu einem einzigen Organismus auf der Bühne verschmilzt.", fasst die Sopranistin Sun zusammen.  

Liebe und Toleranz als Botschaft quer durch alle Zeiten

Neben der musikalischen Bedeutung hat "Intolleranza 1960" aber natürlich noch eine gesellschaftliche: "Freiheit, Hoffnung und Liebe sind Nonos finalen Botschaften. Und das ist es, woran wir als Menschen arbeiten müssen. Die Menschheit sollte einander mit Liebe und Toleranz begegnen und nicht um Ressourcen kämpfen, denn wir haben genug Ressourcen. Dieses Stück sendet eine Anti-Gewalt-Botschaft so sehr aus, wie kaum ein anderes. Ich finde es ein großartiges Zeichen, dass Salzburg das jetzt programmiert hat." 

Die Premiere findet heute um 20.30 Uhr in der Salzburger Felsenreitschule statt. Dafür und die weiteren drei Termine bis zum 29. August gibt es hier noch Karten! 

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