Die lang erwarteten Ergebnisse der Islam-Kindergartenstudie, die schon vorab für viel Diskussion gesorgt hatte, wurden am Donnerstag offiziell präsentiert – und sind gar nicht so brisant, wie aufgrund der Vorstudie angenommen.
Erstmal stellt Maria Fürstaller von der FH Campus Wien klar, dass es gar nicht so einfach sei zu definieren, welche Einrichtungen als "Islam-Kindergärten" bezeichnet werden können. So seien die Ausgabe von Halal-Essen, muslimisches Personal oder die Herkunft der Kinder allein keine verlässlichen Indikatoren.
Abgesehen davon würden Kindergärten, die mehrheitlich von Kindern aus katholischen Familien besucht werden, auch nicht "katholische Kindergärten" genannt werden.
Segregation wird nicht gefördert
Henning Schluß von der Uni Wien fasst anschließend die zentralen Ergebnisse zusammen. Demnach würden Islam-Kindergärten, entgegen des Vorwurfs, nicht zur Abspaltung beitragen. Im Gegenteil: Sie seien "ein Sammelbecken für diejenigen, die woanders nicht aufgenommen werden."
Die Universität Wien und die FH Campus Wien erstellten im Auftrag der Stadt Wien und des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres eine Studie zu Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien mit einem besonderen Augenmerk auf Fragen der elementarpädagogischen Professionalität "islamischer Kindergärten/Kindergruppen". WissenschaftlerInnen aus der Islamwissenschaft, der Bildungswissenschaft und der Elementarpädagogik waren an der Studie beteiligt.
Die Abgrenzung finde schon vorher statt, u.a. durch die Trennung von kostenlosen Kindergärten und jenen, die Zusatzbeiträge einheben. Außerdem führe das Speiseangebot zur Abspaltung: Denn Eltern mit muslimischen Glauben suchen sich verständlicherweise Einrichtungen aus, die Halal-Essen am Speiseplan anbieten. "Während die Nichteinhaltung von religiösen Speisevorschriften für Muslime aber auch für Juden eine Hürde bei der Anwahl eines Kindergartens darstellen kann, gilt das umgekehrt für Christen und Religionslose nicht", heißt es in der Zusammenfassung der Studie.
Pädagogen sind gefordert
Weiters erklärt Schluß, dass seit 2015 ein dramatischer Rückgang von Religion in Einrichtungen mit islamischen Bezügen erkennbar sei. Was die Pädagogen betrifft, sind diese schwer gefordert. Vor allem was sprachliche Kompetenz betrifft, stehen sie vor großen Herausforderungen, so heißt es in der Studie: "Die
Sprachstandsfeststellungen und die Sprachförderung wurden in der Untersuchung als suboptimal eingeschätzt. Dies liegt an den hohen fachlichen Anforderungen. Diesen Anforderungen sind Pädagogen nur in Ausnahmefällen gewachsen."
Zudem sollten Pädagogen "auf die Vielfalt hinsichtlich Religionen, Kulturen und Sprachen der Kinder und ihrer Eltern Rücksicht nehmen. Es sind also eine hohe 'Kultur- und Religionssensibilität' sowie 'Verstehens- und Reflexionskompetenzen' nötig. Dies zu leisten ist äußerst komplex."
Sprachliche Barrieren
Insgesamt wurden bei der Sprachvermittlung Defizite festgestellt. Gerade Einrichtungen mit besonderem Bezug zum Islam würden ihre Integrationsarbeit betonen und darauf hinweisen, dass bei ihnen ausschließlich Deutsch gesprochen werde. "Die Sprachforschung zeige jedoch, dass eine gute Beherrschung der Erstsprache die beste Voraussetzung für das sichere Erlernen einer Zweitsprache ist", ist in der Studie zu lesen.
Nina Hover-Reisner, ebenfalls von der FH, erklärt später, dass ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Pädagogen beim Umgang mit Islam Unsicherheit und Unverständnis verspüren. Dieses Resultat würde die Gesellschaft widerspiegeln. Um das zu ändern, müsse demnach woanders angesetzt werden.
Aslan zeigt sich zufrieden
Nach Hover-Reisner hat schließlich Ednan Aslan von der Uni Wien das Wort. Er ist als Projektleiter für die Studie "Islamische Kindergärten und - gruppen" verantwortlich und war Teil des sechsköpfigen Wissenschaftsgremiums, das an der umfangreichen Studie gearbeitet hat. Er sei mit dem Ergebnis sehr zufrieden und sieht sich trotz – oder gerade wegen – der Kritik zu seiner Vorstudie bestätigt, denn "ohne Pilotstudie hätte die Stadt nicht so darauf reagiert."
Vorab viel Kritik an Autor
Beauftragt wurde die Studie 2015 gemeinsam von Integrationsministerium und der Stadt Wien. Grund dafür war eine kleinere, nur vom Ministerium beauftragte Vorab-Untersuchung des Islamforschers Aslan, die zum Ergebnis hatte, das es an Islam-Kindergärten schwerwiegende Probleme gebe. Aslan wurde vorgeworfen, bei seiner Studie wissenschaftliche Standards nicht eingehalten zu haben. Die Uni prüfte die Ergebnisse daraufhin und stellte zwar zahlreiche Mänger, aber kein explizites Fehlverhalten fest.
>>> Lesen Sie hier: Islam-Kindergärten: Kritik an Autor
Bei der heutigen Präsentation der Studienergebnisse stellte Henning Schluß klar, dass jene Untersuchung wissenschaftliche Standards definitiv eingehalten hat.
Fürstaller erklärt auf Nachfrage, dass die Studie nicht repräsentativ sei, "weil qualitative Forschung diesen Anspruch nicht hat."
Die Abschlussergebnisse sind online abrufbar unter: univie.ac.at
(red)