Anna Netrebko zeigte sich bei der Saison-Premiere von Giacomo Puccinis "Tosca" in der Wiener Staatsoper am 12. April in Bestform. Die russische Sopranistin ließ sich weder von einigen Demonstranten vor der Tür irritieren, noch von den Buhrufen für den Dirigenten. Sie füllte die Titelpartie mit Leben.
Der israelische Maestro Daniel Oren leitete das Orchester und die Sänger souverän, musste aber dennoch lautstarke Kritik einstecken. "Seine Arbeit an dem Abend war makellos. Der Mann ist Israeli. Das ist widerlich", schreibt Journalist Christian Ortner auf X erbost über die Reaktionen.
Der aufs italienische Fach spezialisierte Maestro, der schon Luciano Pavarotti in der "Tosca" dirigierte, soll demnach wegen seiner Herkunft antisemitisch angegriffen worden sein. Er wäre nicht der erste Musiker, der aufgrund des Nahost-Konflikts attackiert wurde. Im Herbst wurden etwa die Münchner Philharmoniker wegen des israelischen Maestros Lahav Shani vom Flanders Festival in Ghent ausgeladen – "aus politischen Gründen". Auch die Teilnahme Israels beim Song Contest spaltete bekanntermaßen die Nationen.
Ob Oren tatsächlich am Beginn des dritten Aktes aufgrund seiner Herkunft ausgebuht wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Einige Zuschauer sollen sich daran gestört haben, dass Netrebko gesanglich zu viel Platz bekommen habe und damit aus dem Stück "mehr ein Konzert in Kostüm und Maske" gemacht haben soll, so "Die Presse".
Auf "Heute"-Anfrage heißt es dazu aus der Staatsoper: "Unsere Kolleginnen und Kollegen, die sich aufgrund des Dienstplans in der Vorstellung befanden, berichteten von ein bis zwei vereinzelten Buhrufen. Was genau diese Gäste zum Buh veranlasst hat, können wir nicht nachvollziehen."