Istanbul: Schwere Krawalle bei Taksim-Platz

Die türkische Polizei ist am Donnerstag mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Hunderte Demonstranten vorgegangen, die trotz eines Kundgebungsverbots auf den symbolträchtigen Taksim-Platz zu gelangen versuchten. Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, marschierten die Menschen unter anderem auch in Athen und Moskau auf.

In Istanbul ging die Polizei nach einer Warnung mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, welche Absperrungen zum Taksim-Platz zu durchbrechen versuchten, berichtete ein AFP-Reporter. Die Behörden haben heuer die Abhaltung der traditionellen 1.-Mai-Proteste auf dem Platz im Zentrum der türkischen Metropole verboten.

40.000 Polizisten aufmarschiert

Demonstranten sollen Polizisten mit Molotowcocktails und Schleudern angegriffen haben. Berichten zufolge sind in Istanbul 40.000 Polizisten mit gepanzerten Fahrzeugen im Einsatz. Die Hälfte davon ist im Zentrum, um die Straßen und Gassen rund um den Taksim-Platz zu sichern.

Im vergangenen Jahr hatte es dort bei der 1.-Mai-Demonstration gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei gegeben. Im Sommer war der Platz zudem Schauplatz von Protesten gegen die geplante Zerstörung des angrenzenden Gezi-Parks. Angesichts des brutalen Vorgehens der Polizei und der unnachgiebigen Haltung der islamisch-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan weiteten sich die Proteste rasch zu einer landesweiten Bewegung aus.

Eingeschränkter Verkehr

In diesem Jahr wurde nur der Gewerkschaft TURK-IS erlaubt, Kränze in Erinnerung an die dort am 1. Mai 1977 getöteten 34 Demonstranten auf dem Platz niederzulegen. Unbekannte hatten damals in die Luft gefeuert und damit Panik ausgelöst. Die Gewerkschaft organisierte am Donnerstag zudem eine Kundgebung im Bezirk Kadiköy auf der asiatischen Seite des Bosporus.

Die Behörden haben den Betrieb der Bosporus-Fähren zwischen Asien und Europa, der U-Bahn, der Straßenbahn und der Nahverkehrsbusse eingeschränkt. Damit soll es für Demonstranten schwieriger werden, zum Taksim-Platz zu gelangen.

Streiks in Griechenland

In Griechenland haben die Gewerkschaften ihre Proteste gegen die harte Sparpolitik und hohe Arbeitslosigkeit anlässlich des Tags der Arbeit begonnen. In Athen legten die Busfahrer am 1. Mai für drei Stunden ihre Arbeit nieder. Betroffen ist auch der Fähr- und Bahnverkehr.

Aus Piräus ist in der Früh keine Fähre ausgelaufen, wie die Seeleute-Gewerkschaft PNO mitteilte. Auch Züge fahren nicht. Am frühen Nachmittag sind mehrere Demonstrationen geplant. In Griechenland haben 27 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung keinen Job.

Große Kundgebung in Moskau

Mehr als 100.000 Menschen haben sich auf dem Roten Platz in Moskau an der traditionellen Parade der Gewerkschaften zum 1. Mai beteiligt. Erstmals seit 23 Jahren marschierten die Demonstranten dabei über den bei Touristen beliebten Platz direkt am Machtzentrum, dem Kreml.

Die Versammlung im Herzen der russischen Hauptstadt gilt auch als Zeichen für einen wiedererstarkenden Patriotismus nach dem . In ganz Russland beteiligten sich etwa zwei Millionen Menschen an den Feierlichkeiten, wie Gewerkschaftsvertreter Michail Schmakow am Donnerstag der Agentur Interfax sagte.

"Putin hat Recht"

Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Ich bin stolz auf mein Land" oder "Putin hat Recht". Zudem trugen die Teilnehmer zahlreiche russische Flaggen und Ballons in den Nationalfarben. Mehrere Transparente und Redner feierten die international kritisierte Annexion der Krim im März. "Ein Wind der Freiheit weht über der Krim", rief ein Redner in Militäruniform vom Podium. "Moskau-Sewastopol, Städte der Helden", hieß es auf einem anderen Plakat.

Große Mai-Aufmärsche gab es unter anderem auch in Deutschland, Italien, Indien oder auf den Philippinen. Im Vatikan hielt Papst Franziskus eine Rede zum Thema Jobs und Arbeitslosigkeit. Bei einer Demonstration für Beschäftigung und Sozialwohnungen, die von radikalen Linksgruppen organisiert wurde, ist es in Turin zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

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