Bedrohte Arten auf Rekordniveau

Die globale Klimakrise heizt das Artensterben weiter an. Vor allem viele Schildkröten, Geckos und Echsen wurden kürzlich von der Weltnaturschutzunion IUCN in höhere Bedrohungskategorien eingestuft.
Die globale Klimakrise heizt das Artensterben weiter an. Vor allem viele Schildkröten, Geckos und Echsen wurden kürzlich von der Weltnaturschutzunion IUCN in höhere Bedrohungskategorien eingestuft.
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Das Artensteben ist neben der anhaltenden globalen Klimakrise die größte Herausforderung unserer Zeit.

In der französischen Hafenstadt Marseille fand kürzlich der „World Conservation Congress” der IUCN (Weltnaturschutzunion) statt. Die Ergebnisse des Kongresses werden die UN-Biodiversitätskonferenzen CBD (Convention on Biological Diversity) im Herbst und im Frühling 2022 wesentlich beeinflussen.

Heimische Umweltschutzorganisationen wie der WWF, Global 2000, Vier Pfoten und Greenpeace betonen die Dringlichkeit des Problems. Die nächsten zehn Jahre werden entscheiden, ob wir das Artensterben noch aufhalten können, wird betont. Der Biodiversitätsverlust ist neben der anhaltenden globalen Klimakrise die größte Herausforderung unserer Zeit. Die Experten sind sich einig: Klimawandel und Biodiversitätsverlust verstärken sich gegenseitig. Sie sind eng miteinander verknüpft und werden beide durch menschliche Aktivitäten vorangetrieben.

Traurige Abwärtspirale

Seit 1964 veröffentlicht die IUCN die bekannte Rote Liste, die sich seither zur umfangreichsten Informationsquelle über den Status bedrohter Tier- und Pflanzenarten entwickelt hat. Die Rote Liste gefährdeter Tier- und Pflanzenarten wird zunehmend länger. Derzeit stehen 138.374 Arten auf der Roten Liste der IUCN, wobei mehr als 38.500 Arten vom Aussterben bedroht sind – darunter 41 Prozent aller erfassten Amphibien, 34 Prozent der Nadelbäume, 33 Prozent der riffbildenden Korallen, 26 Prozent der Säugetiere und 14 Prozent der Vögel. Auch in Österreich sind laut Greenpeace 39 Prozent der Tierarten vom Aussterben bedroht.

Komodowarane sind faszinierende Wesen. Sie leben in Indonesien. Schätzungen zufolge gibt es nur noch rund 6.000 Tiere. Sie sind aufgrund der Erderhitzung vom Aussterben bedroht.
Komodowarane sind faszinierende Wesen. Sie leben in Indonesien. Schätzungen zufolge gibt es nur noch rund 6.000 Tiere. Sie sind aufgrund der Erderhitzung vom Aussterben bedroht.
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Klimakrise heizt Artensterben an

Zig Arten sind kürzlich neu auf die Rote Liste gesetzt worden. Beispielhaft die Situation des bereits auf der Liste befindlichen Komodowarans in Indonesien: Sein Status verschlechterte sich der IUCN zufolge von „gefährdet“ auf „stark gefährdet“. Als Grund für die neue Einstufung der größten Echse der Welt wurde die Erderhitzung angegeben. Der Lebensraum der Tiere aus Indonesien sei durch den Anstieg des Meeresspiegels kleiner geworden, teilte die IUCN mit. Es wird erwartet, dass der Anstieg der Temperaturen und damit des Meeresspiegels ihren Lebensraum in den nächsten 45 Jahren um mindestens 30 Prozent verringern wird. Schätzungen zufolge gibt es nur noch rund 6.000 Tiere.

Die IUCN hat für ihre Rote Liste bedrohte Arten in drei Kategorien unterteilt: „gefährdet“, „stark gefährdet“ und „vom Aussterben bedroht“. Neben zahlreichen Echsen und Geckos wurden vor allem viele Schildkröten in höhere Bedrohungskategorien eingestuft. Bessere Nachrichten hat die IUCN bei den Thunfischen: Die Bestände von vier der sieben populärsten Thunfischarten haben sich nach Jahrzehnten mit Schutzmaßnahmen endlich etwas erholt. Fischfangquoten und konsequente Maßnahmen gegen illegale Fischerei zeigen Wirkung. Aber noch bleibt viel zu tun, heißt es von Seiten der Umweltschutzorganisationen.

30 Prozent Schutzgebiete von Greenpeace gefordert

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert, dass sich die österreichische Regierung für starke Artenschutzziele einsetzt. Falsche Lösungen, wie freiwillige Zertifizierungen dürfen nicht länger forciert werden. Stattdessen müssen auf mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresfläche bis 2030 Schutzgebiete eingerichtet werden. Dabei müssen indigene und lokale Bevölkerungsgruppen konsequent mit eingebunden werden.

Der IUCN-Kongress schloss am 11. September mit einem Appell zum Erhalt der Artenvielfalt. Damit sollen die Weichen für wichtige UNO-Gipfel zu Arten- und Klimaschutz sowie Ernährungssicherheit gestellt werden. Bereits in der Vergangenheit hatte die Weltnaturschutzunion wichtige internationale Artenschutzabkommen vorbereitet. Die Organisation zählt gut als 1.300 Mitglieder, darunter Ministerien, Bundesämter, Naturschutzverbände und Forschungsinstitute.

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