Aufregung vor dem Start der Olympischen Spiele: Für die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeige sich bei dem Mega-Event ein "Bild von Greenwashing und Umweltzerstörung." Kritik kommt auch vom Wiener Klima-Institut Kontext. Anfragen von "Heute" beim IOC blieben bis Donnerstag unbeantwortet.
Die Veranstalter hätten im Vorfeld versprochen, dass die diesjährigen Olympischen Spiele die grünsten Spiele jemals werden wollen. "Doch in Paris wurden viele der angepriesenen Klimaschutzmaßnahmen nur halbherzig umgesetzt oder gar revidiert. Das Resultat ist nichts anderes als Greenwashing", kritisiert Ursula Bittner, Greenpeace-Sprecherin in Österreich.
Für die olympischen Surf-Wettbewerbe in Tahiti sei trotz bestehender Infrastrukturen ein 14 Meter hoher Kampfrichterturm vor der Küste gebaut worden. "Dafür wurden Fundamente in den Meeresboden gebohrt und tonnenschwere Betonblöcke darauf herabgelassen." Damit hätten die Veranstalter ein wertvolles Ökosystem zerstört, so die Greenpeace-Kritik.
Die Olympischen Spiele 2024 in Paris betrieben zudem durch Sponsorverträge mit Konzernen wie Air France, Toyota und Coca-Cola "Greenwashing und Umweltzerstörung". Air France verursacht "am drittmeisten CO2 in Europas Luftfahrt, Toyota erzeugte 2022 fast doppelt so viele Emissionen wie ganz Frankreich, und Coca-Cola ist der größte Plastikmüllverursacher weltweit", heißt es.
Die Sponsoren nutzten zudem die öffentlichkeitswirksame Bühne der Olympischen Spiele, während sie "Tag für Tag zur Klimakrise beitragen" würden, so Greenpeace.
Greenpeace kritisiert auch ein Oympia-Bauvorhaben im Pariser Athletendorf Saint-Denis, dieses würde die soziale Ungerechtigkeit verschärfen: "Durch das Autobahnkreuz A86 in Saint-Denis sind 600 Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren Abgasen noch stärker ausgesetzt", heißt es im Greenwashing-Bericht.
Statt der angepriesenen kostenlosen öffentlichen Verkehrsmittel zahlen Olympia-Besucher nun mit vier Euro pro Metro-Fahrt fast doppelt so viel wie in Paris üblich. Gerade einmal 0,34 Prozent des Gesamtbudgets von Paris 2024 würden in Klimaprojekte investiert, so Greenpeace.
Auch der Plan, bei dem Mega-Event in Paris kein Einwegplastik zu verwenden, sei aufgegeben worden. Der Fußabdruck von Einwegplastik soll nun im Vergleich zu den Spielen in London nur noch halbiert werden.
Greenpeace fordert das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf, die Olympischen Spiele künftig mit ambitionierten Klima- und Umweltschutzmaßnahmen auszurichten, statt "Greenwashing zu betreiben und leere Versprechen zu machen."
"Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele haben eine katastrophale Umweltbilanz: Teilnehmer und Gäste reisen mit dem Flugzeug an, Strom wird mit Generatoren erzeugt, Austragungsstätten werden neu gebaut. All das pumpt eine enorme Menge an Treibhausgasen in die Luft", erklärt Tina Deutsch, Vorständin des Wiener Klimafragen-Instituts Kontext zu "Heute".
Um das zu ändern, brauche es langfristig ein "grundlegendes Umdenken" globaler Veranstaltungen. Hier sollte gerade das Internationale Olympisches Komitee Verantwortung übernehmen und entsprechende Anforderungen stellen, so Deutsch weiter. "Viele Faktoren wie etwa die Notwendigkeit eines einzigen Austragungslandes lassen sich überdenken."