Wurmmittel-Flut in Österreich – nun schlägt Zoll Alarm

Der Zoll griff zuletzt tausende Päckchen "Ivermectin" auf.
Der Zoll griff zuletzt tausende Päckchen "Ivermectin" auf.BMF
Der Zoll schlägt Alarm. Seit einigen Wochen gehen die Sicherstellungen von per Flugpost ins Land geschickte "Ivermectin"-Tabletten in die Tausende.

Bei Schwerpunktkontrollen des österreichischen Zolls - vor allem in den Postverteilerzentren - wurden seit Jahresbeginn bei 428 Aufgriffen insgesamt 24.169 Stück Tabletten des Arzneimittels „Ivermectin“ aufgegriffen. Seit September ist die Zahl der Aufgriffe förmlich explodiert. Unterstützt werden die Zollkontrollen durch begleitende Internetermittlungen der Cybercrime-Einheit des Zolls.

"In den vergangenen Monaten haben wir eine regelrechte Kampagne zur Einnahme des Entwurmungsmittels Ivermectin als angebliches Covid-Heilmittel erlebt", spielt Blümel nicht zuletzt auf FPÖ-Chef Herbert Kickl an. Das habe zu einer wahren Flut an Sicherstellungen des Mittels durch den Zoll geführt.

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Wirkungslos und verunreinigt

"Anstatt sich gegen eine Corona-Erkrankung zu schützen, gefährden diese Menschen ihre Gesundheit. Bei den geschmuggelten Medikamenten, die meist aus Asien stammen, handelt es sich oft um wirkungslose, verunreinigte oder gefälschte Präparate. Experten warnen daher zu Recht vor der missbräuchlichen Einnahme. Der Zoll wird seiner Aufgabe daher weiterhin mit Nachdruck nachkommen und hier besonders wachsam kontrollieren", verspricht Finanzminister Gernot Blümel.

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) warnt  vor der Bestellung des Mittels aus dem Ausland. Archivbild.
Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) warnt  vor der Bestellung des Mittels aus dem Ausland. Archivbild.Martin Juen / SEPA.Media / picturedesk.com

Rasanter Anstieg von Sicherstellungen

Die vorläufige Bilanz des Zolls lässt jedenfalls alle Alarmglocken schrillen: Gab es im ersten Halbjahr 2021 nur vereinzelt Ivermectin-Aufgriffe, so wurden alleine im Oktober 7.640 Stücksichergestellt. Das ist im Vergleich zum Jänner mehr als das 50-fache. Zwischen September und Mitte November wurden insgesamt 15.844 Tabletten, die meist via Internet bestellt und auf dem Postweg verschickt wurden, vom Zoll beschlagnahmt. Das geht aus einer Aussendung des Finanzministeriums hervor.

Die explosive Steigerung bei den Aufgriffen von Ivermectin-Medikamenten in Österreich bestätigte sich auch bei einer EU-weiten Zoll-Schwerpunktaktion, die im Oktober und bis Mitte November stattfand: Bei der Anzahl der dabei beschlagnahmten Ivermectin-Sendungen rangiert Österreich EU-weit auf Platz 2.

Aus Asien exportiert

Das Medikament wird unter verschiedensten Produktbezeichnungen hauptsächlich aus Singapur, Indien und Hongkong versendet. Bestimmt waren die Sendungen für Empfänger in ganz Österreich. Spitzenreiter waren Empfänger in Niederösterreich, gefolgt von Oberösterreich, Wien und der Steiermark.

Nach dem Aufgriff erstattet der Zoll aufgrund des Verstoßes gegen das Arzneiwareneinfuhrgesetz Anzeigen an die zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden, die in der Folge Strafen festlegen und die Medikamente im Anschluss entweder vernichten oder auf Kosten des Bestellers an den Absender retournieren. Der Strafrahmen bei der illegalen Einfuhr von Medikamenten liegt bei einer Geldstrafe in Höhe von bis zu 7.260 Euro.

 ÖVP-Klubchef August Wöginger reagiert erbost auf die Aussagen von Herbert Kickl. 
ÖVP-Klubchef August Wöginger reagiert erbost auf die Aussagen von Herbert Kickl. picturedesk.com

Frontalattacke auch von Wöginger

Im Hinblick auf die früheren Aussagen von Herbert Kickl legt auch ÖVP-Klubobmann August Wöginger nach. In einer Aussendung wirft er dem FPÖ-Chef ein "Kickls gefährliches Spiel auf Kosten von Gesundheit und Menschenleben" vor. . Sogar der Hersteller selbst spreche sich klar gegen die Verwendung des Entwurmungsmittels bei Covid-19 aus, erklärt Wöginger. 

Nicht zuletzt seien in Oberösterreich zwei Corona-Patienten auf der Intensivstation verstorben, da sie auf Ivermectin-Selbstbehandlung setzten anstatt sich schnellstmöglich zur Genesung in die Hände von Expertinnen und Experten zu begeben, bedauert er.

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