Nach dem Schiffbruch der Bayesian untersucht die italienische Justiz das Verhalten der Crew. Die Zeitung La Repubblica konnte die Autopsieberichte vierer Leichen, die aus der Jacht geborgen worden sind, einsehen.
Bemerkenswert ist dabei, dass alle vier kein Wasser in der Lunge hatten. Sie sind offenbar durch sogenanntes "trockenes Ertrinken" ums Leben gekommen.
Nach ersten Erkenntnissen wurden mehrere der Leichen auf der Bordseite gefunden, die sich gegen das Wasser geneigt hatte. Dort hatten sich offenbar Luftblasen gebildet, in die sich die Menschen retten wollten. Den Ermittlern zufolge sei danach der Sauerstoff in den Luftblasen ausgegangen, was zur Erstickung der Passagiere geführt haben soll.
Der Anwalt Chris Morvillo, seine Frau Neda sowie Jonathan Bloomer, Chairman von Morgan Stanley International, sowie seine Frau Judy hatten dem Bericht zufolge nämlich kein Wasser in ihren Lungen, Luftröhren oder Mägen.
"Typische Zeichen für einen Tod durch Ertrinken sind zum Beispiel ein Schaumpilz vor dem Mund, weil sich beim Husten Schleim mit Luft vermischt. Oder eine aufgeblähte Lunge, die sich gegen den Widerstand des Wassers bewegt hat", sagt Jens Kohfahl, Facharzt für Allgemein- und Notfallmedizin im Ruhestand, dem "Spiegel" gegenüber. Diese Merkmale ließen sich beim trockenen Ertrinken aber nicht finden. "Spricht die ganze Auffindesituation für einen Ertrinkungstod, findet sich aber kein Wasser in den Atemwegen, dann spricht die Rechtsmedizin vom trockenen Ertrinken", sagt der Notfallmediziner.
Was beim trockenen Ertrinken genau zum Tod führe, sei nicht eindeutig festzustellen, sagt Kohfahl weiter. Möglich sei auch ein sogenanntes reflektorisches Geschehen, wobei kaltes Wasser einen Krampf an den Stimmbändern auslöst, der die Luftröhre verschließt. Dadurch könne dann kein Wasser in die Atemwege gelangen, und der Mensch erhält dann dennoch zu wenig Sauerstoff. Deshalb sei es laut dem Arzt zwar möglich, aber nicht gegeben, dass die Bayesian-Passagiere in Luftblasen erstickt sein sollen.