Jerusalem: Krawalle nach Amokfahrt

Am Mittwoch hat ein palästinensischer Autofahrer in Jerusalems Innenstadt mehrere Fußgänger niedergefahren und mit einer Eisenstange attackiert. Der Attentäter wurde erschossen, es kam in der Folge zu Straßenkrawallen mit zahlreichen Verletzten.

Der 38-Jährige steuerte sein Auto laut Polizeiangaben zunächst in eine Gruppe von Polizisten, als diese eine Straße überquerten. Anschließend überfuhr er Wartende an einer Straßenbahnhaltestelle und schlug mit einer Eisenstange auf Passanten ein. Streifenpolizisten griffen ein und erschossen ihn.

Bei dem Vorfall wurde neben dem Attentäter auch ein Polizist getötet. Mindestens neun Menschen seien zudem verletzt worden, zwei von ihnen schwebten nach Angaben der Rettungskräfte in Lebensgefahr. Der Anschlag ereignete sich unweit der Stelle, an der vor zwei Wochen ein anderer Palästinenser ebenfalls an einer Straßenbahnhaltestelle mit seinem Auto in eine Fußgängergruppe gefahren war.

Der Anschlag des Autofahrers löste später weitere Krawalle in Ost-Jerusalem aus - auch im Flüchtlingslager Shuafat, aus dem der Attentäter stammte. Palästinensischen Quellen zufolge pflegte er vermutlich Verbindungen zur radikalislamischen Hamas-Bewegung. Die Hamas feierte ihn denn auch als "Helden", dessen Attentat eine "natürliche Antwort" auf Israels Umgang mit dem Tempelberg gewesen sei.

Netanyahu machte Abbas direkt verantwortlich

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu befand, dass "wir uns in einer anhaltenden Schlacht um Jerusalem befinden". Er machte für den tödlichen Anschlag neben der Hamas auch Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas direkt verantwortlich, da dieser den Angehörigen eines von Polizisten erschossenen Palästinensers nach dessen Angriff auf einen jüdischen Ultranationalisten in der vergangenen Woche kondoliert hatte. Der für Innere Sicherheit zuständige Minister Jitzhak Aharonowitsch empfahl, die Wohnung des palästinensischen Autofahrers und anderer Attentäter in ähnlichen Fällen zu "zerstören".

Krawalle schon vor dem Anschlag

Schon vor dem neuerlichen Anschlag hatte es am Mittwochvormittag schwere Zusammenstöße zwischen israelischen Sicherheitskräften und Demonstranten vor der Al-Aksa-Moschee und in der Jerusalemer Altstadt gegeben. Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds erlitten 39 Menschen Verletzungen, als die Polizei mit Hartgummigeschossen, Blendgranaten und Tränengas einschritt.

Anlass der Krawalle war der demonstrative Besuch rechtsradikaler jüdischer Splittergruppen auf dem Tempelberg. Die aus israelischen Ultranationalisten und religiösen Eiferern gebildete Tempelbergbewegung hatte zu einer gemeinsamen Begehung des Ortes aufgerufen, der sowohl von Juden als auch Muslimen als heilige Stätte verehrt wird. Als dafür der einzige Besucherzugang für Nichtmuslime geöffnet wurde, "bewarfen dutzende Vermummte die Sicherheitskräfte mit Steinen und Knallkörpern. Diese drängten die Demonstranten zurück in die Moschee", berichtete Polizeisprecherin Luba Samri.

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