Hitze! Jetzt droht Würmer-Alarm in unseren Seen

So sehen die Zerkarien aus, die sich im Linzer Pleschinger See tummeln.
So sehen die Zerkarien aus, die sich im Linzer Pleschinger See tummeln.Albin Schuster/Hubert Blatterer
Wenn die Temperaturen steigen, sind die Bedingungen für die Ausbreitung von Zerkarien in den Seen perfekt.  

Sie sind lästig, machen rote Pusteln und jucken – ähnlich wie bei einem Gelsenstich. Zerkariendermatitis oder Badedermatitis nennt man den unangenehmen Hautausschlag, der durch Zerkarien – das sind wurmähnliche Larven, die sich beim Menschen unter die Haut bohren –entsteht.

Die mikroskopisch kleinen Zerkarien gelangen über Schnecken ins Wasser, wollen eigentlich bei Enten und anderen Wasservögeln unter die Haut eindringen, um diese zu infizieren und sich in ihnen zu vermehren.

Immer wieder verirrt sich auch eine Zerkarie unter die Haut eines Menschen. "Das passiert, weil sie im Wasser einen Schatten sieht und denkt, hier schwimmt eine Ente", erklärt Hubert Blatterer, ausgebildeter Geologe und Experte für Gewässergüteaufsicht am Land OÖ. 

Ausschlag als Reaktion des Immunsystems

Bohrt sich so ein Wurm unter die Haut eines Schwimmers, merkt der erstmal nichts. Das Immunsystem baut dann aber eine Abwehr auf, um für das nächste Mal gewappnet zu sein. Dringt dann wieder eine Zerkarie in die Menschenhaut ein, reagiert das Immunsystem – in vielen Fällen mit dem juckenden Ausschlag.

"Der Ausschlag ist in der Regel nach gut einer Woche wieder weg. Auch wenn es juckt, man sollte nicht kratzen. Klar ist das unangenehm, aber auch nicht schlimmer als ein Gelsenstich."

Zwischen drei und vier Zerkarien-Fälle gibt es in OÖ im Schnitt pro Jahr. Betroffen waren in der Vergangenheit unter anderem Badegäste am Traunsee (Altmünster), Pleschinger See, Attersee oder dem Oedter See. Aktuell sei dem Experten noch kein Fall bekannt, er geht aber davon aus, dass die Fälle erst auftreten werden.

Wassertemperatur zwischen 22 und 24 Grad

"Wie heftig das wird, können wir aber noch nicht sagen. Die Ferien und Badesaison geht grade erst los. Auch die Temperaturen nehmen wieder zu. Je wärmer damit die Seen werden, desto mehr Leute gehen dann auch Baden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Badegäste ein Problem mit Zerkarien bekommen", erklärt Blatterer.

Eine Wassertemperatur ab 20 Grad begünstigt zusätzlich die Zahl der Zerkarien im Wasser, denn die wurmähnlichen Larven mögen es warm, verlassen dann gern die Schnecke. 

Bei Außentemperaturen von rund 27 Grad haben die meisten oö. Badeseen bereits eine Wassertemperatur zwischen 21 und 25 Grad. 25 Grad zeigte so zum Beispiel schon das Thermometer für den Pleschinger- und Pichlinger See (Stand 12.7) an.

Uferbereich meiden und Abduschen

Wie kann man sich aber gegen Zerkarien schützen? "Wir sollten vermeiden, dass sich viele Enten an Seen ansammeln können", so Blatterer. Die Entwicklung der Würmer beginnt nämlich mit den Enten. Die scheiden über den Kot jenes Material aus, das die Schlammschnecken fressen und als Zerkarien ins Wasser abgeben. "Daher ist es auch so wichtig, dass Fütterungsverbot an Badeseen zu beachten", so der Experte. 

Als Schwimmer sollte man Uferbereiche und seichtes Wasser möglich meiden. Da halten sich Schnecken und damit Zerkarien besonders gerne auf. "Je weiter man rausschwimmt, desto besser", sagt Blatterer. Danach heißt es gut Abduschen und trockenrubbeln, so kann auch ein Teil der Zerkarien schon entfernt werden.

Dem Experten ist es aber wichtig zu betonen: "Zerkarien sind kein Grund in Panik zu verfallen, sondern etwas ganz Natürliches. Sie lösen auch keine schlimme Krankheit aus. Wer den Juckreiz behandeln möchte, findet sicher Rat beim Hautarzt. Es gibt mittlerweile gute Salben, die zum Teil Kortison beinhalten und Linderung bringen".

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