Viel Freizeit, Homeoffice, Langeweile, Einsamkeit – Tierschutzvereine bitten, sich während Corona-Krise nicht spontan und unüberlegt ein Haustier anzuschaffen.
Seit fast vier Wochen hat uns die Corona-Pandemie fest im Griff. Kinder wie Erwachsene sind vermehrt zu Hause. Da intensive Unternehmungen und Zeit mit Freunden, Bekannten oder Familie derzeit flach fallen, hat so mancher plötzlich sehr viel mehr Freizeit. Der perfekte Zeitpunkt also, um sich einen tierischen Begleiter ins Haus zu holen?
„ "Die Antwort lautet hier ganz klar: Nein"“
, sagt Eva Persy, Obfrau der Tierschutzombudsstelle Wien (TOW).Und weiter: "Lassen Sie sich bitte nicht zu Spontankäufen hinreißen, um sich oder den Kindern den Ausnahmezustand angenehmer zu gestalten. Ein Tier zu sich zu nehmen, ist eine weitreichende und langfristige Entscheidung"
Die größte Gefahr bei spontanen Haustier-Käufen sei, dass die Tiere nach kurzer Zeit wieder abgegeben werden, so Christian Anderle, Geschäftsführer vom Tierquartier Wien im Gespräch mit "Heute". Zurück ins Tierheim zu kommen sei eine sehr traumatische Erfahrung, die verheerende Folgen für ein Tier haben kann. Im schlimmsten Fall könne es auch eine erneute Vergabe erschweren. Und genau dies gilt es jetzt zu vermeiden.
"Es zwar ist verständlich, dass die Menschen aufgrund der Maßnahmen der Regierung aktuell mehr Zeit haben und auch das Bedürfnis nach Nähe stärker wird. Doch darüber, was mit dem Tier passiert, wenn uns wieder der Alltag einholt und die Leute wieder einem normalem Lebensrhythmus nachgehen, macht sich kaum jemand Gedanken. Denn dann kann es sehr schnell passieren, dass die Menschen bemerken, dass sie durch das Tier eingeschränkt sind, Verantwortung tragen und Zeit und Geld investieren müssen. Die Anschaffung eines Haustieres sollte generell wohl überlegt sein und die Corona-Krise ist aus unserer Sicht der falsche Zeitpunkt für eine Anschaffung.", erklärt Oliver Bayer aus dem Wiener Tierschutzverein auf Nachfrage von "Heute.
Aufgrund der derzeitigen Corona-Beschränkungen haben heimische Tierheime die Tiervergabe ohnehin gestoppt beziehungsweise stark eingeschränkt. Der WTV vergibt derzeit gar keine Tiere. Beim Tierquartier Wien werden Tiere nur noch an ausgewählte Personen, nach einem telefonischem Interview vergeben. "Es erreichen uns viele, viele Anrufe von Menschen, die jetzt ein Tier möchten", so Anderle auf Nachfrage von "Heute", aber man vergebe nur an eine "Handvoll Menschen", die man für geeignet hält. Auch der ÖTV vergibt derzeit keine Tiere an spontane Käufer. "Wir geben Tiere nur an neue Heimplätze ab, wenn wir die Menschen vorab persönlich kennenlernen- und das soziale Umfeld ansehen konnten.", dies sei derzeit aufgrund der Pandemie nicht möglich. Man hoffe allerdings, dass das Interesse an den Tieren auch nach der Krise bestehen bleibt.
Im Internetwerden Tiere allerdings weiterhin ohne Einschränkungen angeboten. Von Online-Inseraten sollte auch in Zeiten der Corona-Pandemie die Finger lassen, warnt Persy. Man unterstütze damit meist den dubiosen Internet-Tierhandel, bei dem dieTiere in schlimmen Verhältnissen gehalten werden und oft totkrank beim Besitzer landen.
„Wenn die Entscheidung für ein Tier nach reiflicher Überlegung gefallen ist, dann gilt: Kaufen Sie niemals ein Tier im Internet!", betont Persy. Auch der Verkauf von Hunden und Katzen in Zoofachhandlungen ist seit 1. Jänner 2020 verboten. „Erkundigen Sie sich bitte immer zuerst im lokalen Tierheim, ob ein für Sie passendes Tier dort auf ein neues Zuhause wartet", rät die TOW-Obfrau.
Egal ob Hund, Katze, Hamster oder Schildkröte: Jedes Tier ist einzigartig und hat ganz spezielle Bedürfnisse. Diese zu kennen und dauerhaft ein ganzes Tierleben lang – nicht nur in Zeiten von Schulsperre und Home Office – erfüllen zu können, ist eine unbedingte Voraussetzung für jede Heimtier-Anschaffung, informiert die TOW.
1) Sind genug Zeit, Platz und Geld für die Tierhaltung vorhanden?
2) Wird das Tier von allen Familienmitgliedern gewünscht und akzeptiert?
"In der gegenwärtigen Situation kann es gut sein, dass der Wunsch nach einem Partner auf vier Pfoten sehr stark ist. Ein Tier ist jedoch weder ein Spielzeug oder Zeitvertreib für die Kinder noch ein Ersatz für (temporär eingeschränkte) Sozialkontakte.", so die TOW.
3) Wer übernimmt die Betreuung des Tieres, wenn Sie in den Urlaub fahren, ins Spital müssen oder anderweitig verhindert sind?
"Bei Hunden ist derzeit auch die Frage danach, wer das Tier im Falle einer Quarantäne ausführt, aktuell. Sie wollen nicht wirklich riskieren, Ihr Tier in der Eingewöhnungsphase gleich an jemand anderen zur Betreuung abzugeben, oder?", warnt die TOW.
4) Ist die Tierhaltung in der Wohnung/im Haus erlaubt?
5) Gibt es Tier-, Heu-, Staub- oder sonstige Allergien innerhalb der Familie?
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