Johnson & Johnson bei Delta unwirksam?

Daten aus Island zeigen, dass der Johnson & Johnson-Impfstoff bei der Delta-Variante weniger wirksam sein könnte.
Daten aus Island zeigen, dass der Johnson & Johnson-Impfstoff bei der Delta-Variante weniger wirksam sein könnte.Frank Hoermann / dpa Picture Alliance / picturedesk.com
Beunruhigende Neuigkeiten aus Island: Immer mehr Impfdurchbrüche werden beim Johnson & Johnson-Vakzin vermeldet. Ist die Einmaldosis ausreichend?

Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson gerät zunehmend in die Kritik. Island befindet sich trotz einer hohen Impfquote mitten in der vierten Corona-Welle. Beachtlich ist dabei, dass laut isländischen Medien zirka 50% der Betroffenen zuvor mit dem Janssen-Vakzin geimpft wurde. Nun möchte das Land mit Auffrischungsimpfungen starten. Auch in Österreich untersucht die Agentur für Gesundheit und Ernährung (AGES) derzeit die Effektivität aller Impfstoffe. 

Delta setzt Effektivität runter - Schutz vor schweren Verläufen bleibt

Inzwischen ist klar, dass die Delta-Variante die Schutzwirkung aller Corona-Impfstoffe verringert. Das Wichtige ist, dass der Schutz vor schweren Erkrankungen und Hospitalisierung nach wie vor sehr hoch ist. Eine im Fachblatt "The Lancet" veröffentlichte Studie zeigt, dass bei geimpften Teilnehmern, bei denen ein Impfdurchbruch stattfand, dieser in 96% der Fälle lediglich zu leichten Symptomen führte. In weniger als 0,05% der Fälle sei es zu schweren Verläufen oder Todesfällen gekommen. 

Booster mit mRNA-Impfstoff notwendig?

Die Impfdurchbrüche in Island legen jedoch nahe, dass die Einmaldosis doch nicht ausreicht, um eine Corona-Infektion zu verhindern. So ist es beispielsweise beim mRNA-Impfstoff von Biontech, weswegen hier eine Zweitimpfung notwendig ist. Aus diesem Grund vermuten Experten, dass auch bei Johnson & Johnson eine Auffrischung nötig sein könnte.

Die US-Virologin Angela Rasmussen rief über Twitter dazu auf, sich um eine Booster-Impfung zu bemühen. Sie selbst habe im April ihre erste Impfung mit dem Vakzin erhalten und sich daher für eine weitere Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer entschieden.

Auch der deutsche SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte Ende Juni, dass eine Booster-Impfung mit Biontech oder Moderna notwendig werden könnte. 

"Zu wenig belastbares Datenmaterial"

Auch in Österreich ist man sich des Problems bewusst, jedoch wurde der Impfstoff weltweit relativ wenig verimpft, weswegen es noch ungenügend Datenmaterial gäbe, wie Infektiologe Marton Széll vom Nationalen Impfgremium (NIG) berichtet.

"Wie gut der Impfstoff im Fall der Delta-Variante schützt, lässt sich derzeit nur ungenügend beantworten"

Die Ages untersucht derzeit die Effektivität der in Österreich eingesetzten Impfstoffe. Zudem wird ein genauer Blick auf Impfdurchbrüche im Bezug auf die Delta-Variante beim Johnson & Johnson-Vakzin geworfen. 

In Österreich wurden bisher 279.269 Personen mit Johnson & Johnson geimpft, 76 Prozent davon waren 18-55 Jahre alt. Der Impfstoff wird derzeit für niederschwellige Impfangebote ohne Anmeldung wie z.B. in den Wiener Impfbussen verwendet. 

"Natürlich ist es immer noch besser, sich mit Johnson & Johnson impfen zu lassen, als nichts zu tun. Der Schutz vor Hospitalisierungen scheint hoch zu bleiben", sagt Széll.

Ages-Analyse entscheidend

Sollte die Ages-Analyse eine ähnlich niedrige Schutzwirkung wie die Daten aus Island zeigen, wird das Nationale Impfgremium laut Széll aber an frühere Boosterimpfungen denken: Derzeit wird Personen, die mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft wurden, frühestens nach sechs Monaten eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Vakzin empfohlen.

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