Umbenennung in der Josefstadt

Jüdische Autorin statt Antisemit – Neuer Name für Park

In der Wiener Josefstadt wird nun ein Park umbenannt. Aus dem Hamerlingpark wird der Lore-Segal-Park. Nur die FPÖ stimmte dagegen.
Wien Heute
26.03.2026, 11:42
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Jetzt ist es fix: Der Hamerlingpark in der Josefstadt bekommt nach rund zwei Jahren Diskussion einen neuen Namen. Die Bezirksvertretung hat am 25. März mehrheitlich beschlossen, die Anlage künftig nach der jüdischen Schriftstellerin Lore Segal zu benennen. Dafür stimmten Grüne, SPÖ, ÖVP, Neos und KPÖ.

Lore Segal spielte als Kind in diesem Park

Bezirksvorsteher Martin Fabisch (Grüne) zeigt sich zufrieden: "Mit dem Lore-Segal-Park ehren wir eine jüdische Schriftstellerin, auf die die Josefstadt stolz sein kann – und lösen uns gleichzeitig vom Namen eines Antisemiten und Frauenfeinds. Dass Lore Segal als Kind selbst in diesem Park gespielt und von den Nazis vertrieben wurde, verleiht der Umbenennung zusätzliche Bedeutung."

Auch Vize-Bezirkschefin Lena Köhler (Grüne) betont die Signalwirkung: "Ein Autor, der für Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit steht, hat in der Josefstadt keinen Platz. Mit der Benennung nach Lore Segal würdigen wir die Leistungen einer jüdischen Josefstädterin – und benennen den Park zugleich nach einer Frau, die bei der Benennung von Orts- und Straßennamen in Wien immer noch unterrepräsentiert sind."

Hamerling war Antisemit

Der bisherige Namensgeber Robert Hamerling gilt als umstritten. Seine Texte enthalten antisemitische Stereotype, zudem vertrat er nationalistische und frauenfeindliche Positionen. Bereits 2021 wurden nach ihm benannte Orte als Fälle mit Diskussionsbedarf eingestuft.

Wienerin war für Pulitzerpreis nominiert

Lore Segal hingegen steht für eine bewegte Lebensgeschichte: 1928 geboren, wuchs sie in der Josefstadt auf und spielte als Kind im damaligen Hamerlingpark. Nach der Vertreibung durch die Nationalsozialisten floh sie 1938 mit einem Kindertransport nach Großbritannien. Später lebte sie in New York, schrieb für den "The New Yorker" und veröffentlichte zahlreiche Werke. 2008 wurde sie sogar für den Pulitzerpreis nominiert.

Der Beschluss aus der Josefstadt ist noch nicht das letzte Wort: Die endgültige Umbenennung muss nun im Wiener Gemeinderat beschlossen werden.

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