Im Stadtentwicklungsgebiet Wienerfeld West wird gebaut – und das betrifft nicht nur die Menschen, sondern auch die Vierbeiner. Dort ansässige Feldhamster müssen für einen Wohnbau weichen. Dafür würde ein eingezäuntes Gehege an der Laxenburger Straße/Ecke Reifentalgasse errichtet. Doch genau das lässt die Anrainer jetzt auf die Barrikaden gehen.
"Bei einer Besichtigung vor Ort ist uns aufgefallen, dass der errichtete Holzzaun keinen ausreichenden Untergrabungsschutz aufweist", berichtet Anrainerin Silvia H. Die Pensionistin ist täglich mit ihren Freunden und deren Hunden unterwegs und kommt regelmäßig an dem Gehege vorbei. "Da Feldhamster unterirdisch leben und ausgezeichnet graben können, besteht die Gefahr, dass sie den Zaun untergraben und versuchen, in ihr ursprüngliches Gebiet zurückzukehren. Sie leben nicht auf, sondern unter der Wiese", so die 63-Jährige.
Das Problem: Das Gehege befindet sich unmittelbar neben der stark befahrenen Laxenburger Straße. "Wir befürchten daher, dass viele Tiere beim Versuch der Rückwanderung über die Straße laufen und dabei überfahren werden könnten", so H. "Die Pressspanplatten, verhübscht mit einem Jägerzaun, helfen hier gar nichts", ärgert sie sich. Die Tiere wüssten, wo sie wohnen und würden dorthin zurückkehren, so die Sorge aller Beteiligten.
Gemeinsam setzten die Anrainer nun einen Beschwerdebrief auf, der an alle zuständigen Stellen ging. Auch mit der Amtstierärztin habe sie bereits gesprochen, so Silvia H. "Wir sind alle große Tierschützer, ich selbst habe zwei Hunde und drei Katzen und wir kümmern uns um die Tiere hier."
Gegen das Bauprojekt selbst habe sie nichts, betont die rüstige Wienerin: "Mir geht es nur um eine streng geschützte Tierart. In der Stadt gibt es sowieso keinen Platz mehr für Tiere, aber hier haben wir zumindest noch ein Stück Land." Die Umsiedlung könne sie verstehen, aber nicht den fehlenden Schutz. "Sie sollen nicht auf der Straße sterben!"
Bei der zuständigen MA 22 sieht man kein falsches Vorgehen. "Die Stadt Wien – Umweltschutz hat das Vorhaben als Naturschutzbehörde geprüft", heißt es auf "Heute"-Anfrage. Und weiter: "Die von der Bauwerberin vorgelegten Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen für streng geschützte Feldhamster wurden dabei als geeignet beurteilt." Zudem soll eine ökologische Aufsicht die Umsetzung begleiten und sicherstellen, dass es zu keiner Gefährdung von Feldhamstern komme.