"Tschuschen haben hier überhaupt nichts verloren"

In Wien fängt der Balkan an, heißt es. "Und das finde ich schön", sagt Alma Zadic. "Heute"-Reporter David Slomo (wie die Justizministerin Flüchtlingskind) hat Burek und Cockta dabei – und trägt Trenerka …

"Es wird einen Unterschied ausmachen, dass Österreich eine Ministerin mit Migrationshintergrund hat", sagte Alma Zadic anlässlich ihrer Bestellung. Da hörte David Slomo ganz genau hin.

Seit eineinhalb Jahren verfasst er auf heute.at seinen Balkanblog – und es macht auch für "Heute" einen Unterschied, dass er bei uns ist. Natürlich nicht nur, aber speziell beim Interview mit Zadic, die wie er ein Flüchtlingskind war. Nach unserem Öffi-Talk mit der Justizministerin besuchten wir sie nun auch in ihrem Büro.

"Der erste Besucher, der in Trenerka ins Justizministerium kommt. Ich habe einen rosaroten, aber noch nie hier getragen", lacht Alma Zadic, als der Journalist in Landestracht, sprich Jogger, in ihrem Büro landet. Nicht das einzige Novum an diesem Tag: Slomo will die Politikerin mit einem Mittagessen aus der Heimat (Burek, ein Blätterteiggericht, und "Balkan-Cola" Cockta) überraschen – das war noch nie da im ehrwürdigen, holzvertäfelten Ministerbüro. Persönliche Gegenstände: "Zwei Fotos und ein 'Jar of Happiness' von meinen Freunden, die Schoko daraus hab ich schon gegessen", so Zadic. Dann holt sie Joghurt aus der Küche, "ein Muss bei Burek".

Doch der Reporter hat zu viele Fragen. "Iss doch, du verhungerst ja noch, Kind", gibt sich Zadic fürsorglich. Wir sprechen über …

Fleisch "Ich esse es gerne, schaue aber, dass ich wenig Fleisch esse."

Herkunft "Es ist ein wichtiges Zeichen für alle, die nicht hier geboren sind, dass sie dennoch Teil der Gesellschaft sind – und sogar ein Ministeramt bekleiden können. Es gibt natürlich immer noch eine gläserne Decke – aber sie wurde ein Stück verschoben. Ich will jungen Menschen das Gefühl geben, dass sie alles werden können."

Flucht "Ich war noch ein Kind, wir kamen aus Bosnien, als ich 10 Jahre alt war. Doch es gab Menschen, die uns geholfen haben und zeigten: Österreich ist anders, Österreich ist nicht nur Haider & Co."

Rassismus "Mit 13, 14 fragte ich in Wien nach dem Weg zur Sporthalle. Da sagte der Bimfahrer: 'Tschuschen haben hier überhaupt nichts verloren.' Das hat mich zurückgeworfen. Ich habe geheult, weil es schwierig für mich war zu akzeptieren, dass ich doch anders bin."

Bildung "Ich war in meiner ersten Schule das einzige Kind, das kein Deutsch konnte. Du willst zeigen, dass du was kannst, aber du kannst es nicht. Das löste Frust aus. Die Sprache ist ein Schlüssel zur Integration und das Eingangstor zur Gesellschaft. Wäre ich damals in dieser Schule geblieben, wäre ich heute nicht da, wo ich bin."

Fußball Hält sie zu Österreich oder Bosnien? "Beide Länder sind Teil von mir. Ich antworte mit einer Gegenfrage: Wem drückt die Mutter von Serena und Venus Williams die Daumen? Beiden …"

Autos "Ich habe den Führerschein erst vor fünf Jahren gemacht."

Polizeischutz "Habe ich noch. Die Hassnachrichten kommen in Schüben, je nachdem, wie stark ich gerade präsent bin. Ich habe die Leibwächter unlängst gefragt, ob sie Beachvolleyball spielen – – ist also kein Problem."

Musik "Wenn ich nostalgisch werde, höre ich 'Bijelo dugme'."

Den ausführlichen Balkan-Blog zu unserem Besuch bei Alma Zadic findest du HIER >>>

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account red Time| Akt:
Maria Theresia von ÖsterreichGood NewsPolitikBundesamt für JustizAlma Zadic

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen