Kabul-Terror: Bereits 90 Tote, aber keine Österreicher

Bei zwei Anschlägen am Flughafen von Kabul sind über 60 Menschen getötet und 50 verletzt worden
Bei zwei Anschlägen am Flughafen von Kabul sind über 60 Menschen getötet und 50 verletzt wordenWAKIL KOHSAR / AFP / picturedesk.com
Donnerstagnachmittag ereigneten sich mindestens zwei Terroranschläge am Flughafen von Kabul. Österreicher sollen keine unter den Opfern sein.

Am späten Donnerstagnachmittag gingen am Flughafen Kabul zwei Bomben hoch. Nach derzeitigen Erkenntnissen ist die erste Bombe am Abbey Gate am Eingang zum Flughafen explodiert. Kurz danach detonierte beim Hotel Baron eine zweite Bombe. Es sollen bei den Anschlägen mindestens 90 Personen getötet und hunderte weitere verletzt worden sein – Österreicher sind keine unter Opfern.

Islamischer Staat hinter Attentaten vermutet

Es soll sich um terroristisch motivierte Selbstmordattentate handeln. In einem Video, das auf Twitter veröffentlicht wurde, bekennt sich die Terrormiliz Islamischer Staat zu den Anschlägen in Kabul. Unter den Toten sind mindestens 12 US-Soldaten und auch Kinder.

Der Attentäter zündete seine Weste nur fünf Meter von den Soldaten entfernt. Es gebe jedoch keine Hinweise, dass dabei auch Österreicher zu Schaden gekommen seien, teilte das Außenministerium gegenüber der "Kronen Zeitung" mit. Insgesamt gab es mittlerweile sieben Explosionen in Kabul, bei einigen soll es sich aber um kontrollierte Sprengungen von Waffen und Kriegsmaterial handeln, damit dieses nicht den Islamisten in die Hände fällt.

Warum hatten Attentäter Hotel im Visier?

Laut der britischen Online-Zeitung "The Independent" wurde das Hotel, das sich nur wenige hundert Meter südlich des Kabuler Flughafens befindet, von verschiedenen westlichen Staaten als Stützpunkt genutzt.

Das Hotel ist unter anderem darum beliebt, weil es als eines der am besten gesicherten in der afghanischen Hauptstadt gilt. Selbst bezeichnet es sich offenbar als "eines der prestigeträchtigsten Sicherheitsprojekte in Kabul." So ist das Hotel von einer vier Meter hohen Schutzwand umzäunt und besitzt fünf Wachttürme.

Dazu kommt: Die Security wird von einer privaten US-amerikanischen Sicherheitsfirma sichergestellt. Wohl genau deshalb wurde das Hotel in den vergangenen Tagen immer wieder als Zwischenstopp verwendet um Afghanen außer Landes zu bringen. Wie die Nachrichten-Agentur AFP berichtet, wurden "wegen der chaotischen und gefährlichen Lage am Flughafen" einige von ihnen mittlerweile mit dem Helikopter weggebracht. 

Der "Guardian" konnte mit einem afghanischen Studenten sprechen, der von Großbritannien eine Aufenthaltsbewilligung erhalten hatte. Dennoch entschied er sich dazu, nicht das Baron Hotel aufzusuchen – dieser Entscheidung verdankt er nun vermutlich sein Leben.

"Sie lassen uns im Stich"

"Wegen des hohen Risikos blieb ich zuhause und wartete auf die Antwort der Botschaft für einen Evakuationsplan. Dieser ist ausgeblieben, ich bin enttäuscht. Sie haben mir versprochen, mich zu retten, aber nun lassen sie uns in dieser schwierigen Zeit im Stich."

Die Anschläge am Flughafen Kabul waren erwartet worden. Der Oberbefehlshaber über die britischen Streitkräfte James Heappey warnte Stunden vor dem Anschlag, es würden "sehr, sehr glaubwürdige Berichte über ein bevorstehendes Attentat" existieren. Er riet sowohl Afghanen als auch den eigenen Streitkräften, den Flughafen Kabul zu meiden. Kurz vor dem Anschlag war bereits ein italienisches Rettungsflugzeug unter Beschuss geraten.

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