Forscher erzeugen Blut, das für jeden Typ passt

Blutgruppen von Spender und Empfänger müssen stets zusammenpassen. Doch was, wenn es ein Universalblut gibt?
Blutkonserven sind von enormer Wichtigkeit - sie können Leben retten. Spendet jemand jedoch Blut, kann es nur jemand vom selben Bluttyp empfangen. Jetzt haben kanadische Wissenschaftler jedoch Enzyme entdeckt, die Spenderblut umwandeln können.

Fremde Blutgruppen potenziell lebensgefährlich



Kommen beispielsweise Blutkonserven der Gruppe A in den Kreislauf eines Empfängers mit Gruppe B, kann dies lebensgefährlich enden. Sobald das Immunsystem die Antigene als "fremd" erkennt, werden die Blutzellen zerstört.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Blutspenden der Gruppe 0 sind jedoch für alle Empfänger verträglich. Hier wird das Immunsystem nicht mit "fremden" Antigenen konfrontiert. Die Ausnahme: Menschen der Blutgruppe AB können Spenden von allen Blutgruppen empfangen, weil beide Antigene im eigenen System vorkommen.

Blutgruppe A kommt am häufigsten vor



Spenderblut der Blutgruppe 0 ist also sehr begehrt, da es ohne Abwehrreaktion aufgenommen wird. Kanadische Forscher haben nun Enzyme entdeckt, die Antigene von Blutzellen des Typs A besonders effektiv entfernen können, wie das Fachblatt "Nature Microbiology" berichtet.

"Blutgruppe A kommt am häufigsten vor. Deshalb war es für uns erstmal am spannendsten nach Enzymen zu suchen, die Antigene des Typs A schnell und effektiv abspalten, um Blutzellen des Typs 0 herzustellen", erklärt Peter Rahfeld, Biochemiker an der University of British Columbia. Gefunden wurden die Enzyme in menschlichen Darmbakterien.

Schnell, sparsam, direkt einsetzbar



Aus den Darmbakterien eines Spenders der Blutgruppe AB gelang es den Forschern, die bisher unbekannte Enzymgruppe zu extrahieren. Sie spaltet die Antigene des Typs A 30-mal effektiver ab als andere, ähnlich arbeitende Enzyme.

Für die Umwandlung eines halben Liter Spenderbluts benötigen sie nur etwa eine Stunde. "Das ist besonders schnell. Weil auch weniger Enzym eingesetzt werden muss als bei bereits bekannten Enzymen, ist es zudem preisgünstiger", erklärt der Biochemiker. Zudem benötigen sie, anders als andere Enzyme, keinen Puffer zwischen sich selbst und der Blutzelle, sondern können direkt zu ihr.

Offene Fragen



Das klingt alles sehr gut - zu bedenken gilt dennoch einiges, bevor die schnellen Enzyme in klinische Anwendung kommen können: "Es muss natürlich sichergestellt sein, dass das umgewandelte Blut im Empfänger keine unvorhergesehenen Reaktionen auslöst", so der Forscher.

Außerdem müsse untersucht werden, ob die umgewandelten Zellen nach wie vor genügend Sauerstoff transportieren können, meint Rahfeld. In jedem Fall wolle man auch nach Enzymen suchen, die auch Blutgruppe B in Gruppe 0 umwandeln können.

(rfr)

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