Kärntner Kirche zeigt, was Vatikan geheim halten will

Gegen Bischof Alois Schwarz (ehemals Diözese Gurk-Klagenfurt, jetzt St. Pölten) werden schwere Vorwürfe erhoben.
Gegen Bischof Alois Schwarz (ehemals Diözese Gurk-Klagenfurt, jetzt St. Pölten) werden schwere Vorwürfe erhoben.Bild: picturedesk.com

Ein Prüfbericht über die Ära des ehemaligen Kärntner Bischofs Alois Schwarz sorgte zuletzt für Aufregung. Der Vatikan wollte ihn nicht veröffentlichen.

Die Anweisung kam am Montag direkt aus dem Vatikan und sorgte für große Aufregung: Ein Prüfbericht zum Bistum Gurk-Klagenfurt unter dem damaligen Bischof Alois Schwarz sollte die wirtschaftliche und personelle Schieflage unter dem Bischof beleuchten.

Monatelang wurde mithilfe von Wirtschaftsprüfern durchleuchtet, am Dienstag wollte man das Ergebnis präsentieren. Doch der Vatikan verordnete einen "Maulkorb", der Bericht dürfe nicht veröffentlicht werden.

Nach großer Aufregung in Kärnten über dieses Diktat aus Rom widersetzt sich die Katholische Kirche Kärnten nun der direkten Weisung.

Diözesanadministrator Dompropst Engelbert Guggenberger verkündete am Dienstag, dass der Bericht nun doch veröffentlicht wird.

Auch erhob er schwere Vorwürfe gegen den im Sommer nach St. Pölten gewechselten Bischof Alois Schwarz. Er kündigte Regressforderungen an.

Das Domkapitel mit Guggenberger stellt derzeit das Leitungsgremium der Diözese Gurk-Klagenfurt dar. Wer der nächste Kärntner Bischof wird, ist vom Vatikan noch nicht bekanntgegeben worden.

Der Prüfbericht kann ab sofort online abgerufen werden. Er attestiert dem Bistum für das Jahr 2017 einen Verlust von 1,9 Millionen Euro.

Das ist vor allem von zu hohen Investitionen in Hotel- und Bildungsbereich des Bildungshauses St. Georgen die Rede. Die Mitarbeiterkosten des Hotels seien durch zusätzlich Anstellungen im Jahr 2016 "sprunghaft" um 260.000 Euro gestiegen. Das von Bischof Schwarz gegründete Wirtschaftsethikinstitut Stift St. Georgen habe von 2013 bis zum Verkauf 2017 Zuschüsse von 597.000 Euro benötigt.

Personelle Vorwürfe

Die Prüfer haben auch mit Mitarbeitern des Hotel- und Bildungsbereiches gesprochen. Ihre von Bischof Schwarz eingesetzte Chefin, Andrea Enzinger, bezeichneten sie als "unberechenbar", "nicht kommunikativ", "unprofessionell" und "von Emotionen geleitet". Das Arbeitsklima sei von Angst, Intrige und Mobbing geprägt gewesen und die Personalfluktuation nach ihrem Antritt in die Höhe geschnellt.

Enzinger, die als Vertraute von Bischof Schwarz gilt, wurde inzwischen als Leiterin des Bildungshauses St. Georgen gekündigt und klagt die jetzige Kirchenleitung vor dem Amtsgericht.

Aufsichtsorgan außer Kraft gesetzt

Besonders schwer wiegt auch der Vorwurf, dass Bischof Schwarz den Aufsichtsgremium des Bistums, dem Wirtschaftsrat, ausgehebelt haben soll.

Dieses Gremium hätte unter anderem bei Aufwendungen von über 50.000 Euro sowie bei der Besetzung von Leitungsfunktionen seine Zustimmung geben müssen. Die Leiterin des Bildungshauses (der Inkompetenz vorgeworfen wird) besetzte Schwarz aber ganz alleine.

Nachdem einige Mitglieder des Wirtschaftsrates ihren Unmut über den Alleingang äußerten, löste Schwarz das Gremium auf und ersetzte es durch einen Fachbeirat, der ausschließlich beratende Funktion hatte. "Das Bistum Gurk stand damit ohne effektives Aufsichtsorgan da", attestiert der Prüfbericht. Dies verstoße gegen das Kirchenrecht.

Lesen Sie hier den vollständigen Prüfbericht.

(red)

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