Keine Fragen – nach Abschied holt Kurz sein Baby ab

Mit einer "persönlichen Erklärung" trat ÖVP-Chef Sebastian Kurz am Donnerstag zurück, verlässt die Politik komplett. Fragen ließ er dazu keine zu.

Wenn man auf einen prägenden Lebensabschnitt zurückblicke und "den Blick zurück trotz aller Herausforderungen vor allem Dankbarkeit" empfinde, dürfe man sich glücklich schätzen – so eröffnete Noch-ÖVP-Chef Sebastian Kurz am Donnerstag um 11:33 Uhr seine "persönliche Erklärung", die exakt 17 Minuten dauerte. Er sei "extrem dankbar" für seine letzten zehn Jahre als Politiker und habe "hundert Prozent" Zeit und Begeisterung in seine Tätigkeit investiert, das sei für ihn "eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Kurz habe immer sein Bestes gegeben und "alles versucht", so der ÖVP-Politiker, und er sei immer für klare Position gestanden: Migration dürfe nicht unkontrolliert geschehen, Arbeite müsse sich für die Menschen auszahlen und es müsse einen politischen Diskurs mit allen geben, was Kurz immer sehr geschätzt habe. Es sei eine "unglaublich intensive Zeit" gewesen, so Kurz, er habe viel lernen dürfen, oft sei es aber auch "ein Wechselbad der Gefühle" gewesen.

"Ich bin weder ein Heiliger, noch ein Verbrecher"

Bei so vielen getroffenen Entscheidungen wären auch falsche dabei gewesen, so Kurz, Kritik daran habe er immer verstanden und geschätzt, zuletzt habe er aber "fast das Gefühl gehabt, gejagt zu werden". Und Kurz gestand: "Manches ist vernachlässigt worden, insbesondere die eigene Familie." Mit der Geburt seines Sohnes sei Kurz bewusst geworden, "wie viel Schönes und wichtiges es auch außerhalb der Politik gibt". Politisch müsse man mit "100 Prozent Begeisterung dabei" sein, diese Begeisterung sei aber weniger geworden in jüngster Zeit, so Kurz.

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"Sicherlich" hätten auch "die Entwicklungen der letzten Tage dazu beigetragen", so der Ex-Kanzler, der erwähnte, dass sei politischer Alltag zum Kampf gegen Vorwürfe und Anschuldigungen geworden sei. Das habe "in mir meine eigene Flamme kleiner werden lassen", gestand Kurz, es sei kraftraubend gewesen. "Ich möchte nicht behaupten, dass ich nie etwas falsch gemacht habe", so Kurz ganz offen, aber: "Ich bin weder ein Heiliger, noch ein Verbrecher." Nun freue er sich auf den Tag, abn dem er beweisen könne, dass die Vorwürfe gegen ihn allesamt falsch seien.

"Schön, sich für etwas einsetzen zu dürfen, woran man glaubt"

Die Entscheidung zum Rückzug sei Kurz nicht leicht gefallen, wie er sagte, es gebe so viel Einprägsames wie etwa ein Treffen mit dem Papst, das ihm immer in Erinnerung bleiben werde. Das Schöne sei aber auch gewesen, sich voll für die Politik einsetzen zu dürfen, "woran man glaubt", und dafür auch viel zurück zu bekommen. Er dankte auch seinen Parteikollegen, seinem Team, aber auch den Koalitionspartnern seiner beiden Regierungen, der FPÖ und den Grünen, Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. Die ÖVP habe ihn "stets getragen und unterstützt".

Das erste Foto vom Kurz-Baby: Das kleine Händchen gehört Konstantin.
Das erste Foto vom Kurz-Baby: Das kleine Händchen gehört Konstantin.Sebastian Kurz

Lange sei Kurz der Meinung gewesen, dass seine Wahlkämpfe unschlagbar gewesen seien, sei Baby habe ihn aber umdenken lassen, so Kurz emotional. Wer glaube, dass er als Person die starke ÖVP ausgemacht habe, der irre, so Kurz: "Ich bin überzeugt davon, dass es auch in Zukunft eine starke Volkspartei gibt." Am Freitag werde er nun eine Sitzung des Bundesparteivorstands der ÖVP einberufen und dort seine Funktion als Partei-Chef übergeben, so Kurz, Klubchef werde wieder August Wöginger. Die nächsten Woche werde es dann eine geordnete Übergabe aller Posten geben.

"Ich werde jetzt aufbrechen und meinen Sohn und meine Freundin aus dem Spital abholen"

Nun freue sich Kurz auf die Zeit mit seiner Familie, sagte Kurz nach 17 Minuten am Ende seiner Erklärung. Er überlegte Kurz, ließ dann allerdings keine Fragen der Medienvertreter zu. Seine letzten Worte am Ende der Rede: "Ich werde jetzt aufbrechen und meinen Sohn und meine Freundin aus dem Spital abholen." Damit beginnt nun ein neues Leben für Kurz.

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