Die österreichische Schriftstellerin Marie-Therese Kerschbaumer feiert heute ihren 90. Geburtstag. Seit Jahrzehnten zählt sie zu den wichtigen Stimmen der heimischen Literatur – und zu jenen Autorinnen, die gesellschaftlichen Debatten nie ausgewichen sind.
Ihr vielseitiges Werk reicht von Prosa und Essays über Hörspiele bis zu bildreicher Lyrik. Geschichte, Gesellschaft und Verantwortung ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch ihr Schreiben.
Kerschbaumer wurde 1936 bei Paris als Tochter einer im Nationalsozialismus verfolgten Österreicherin und eines Kubaners geboren. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie in Costa Rica, bevor sie 1939 nach Tirol kam und bei ihren Großeltern aufwuchs.
Nach einer kaufmännischen Lehre und Aufenthalten in England und Italien zog es sie 1957 nach Wien. Später studierte sie Romanistik und Germanistik.
1970 erschien ihr erster Band "Gedichte", 1976 folgte der Roman "Der Schwimmer". Zu ihren bedeutendsten Werken zählt "Der weibliche Name des Widerstands" (1980) über acht während der NS-Zeit ermordete Österreicherinnen. Mit "Schwestern" setzte sie sich 1982 intensiv mit weiblicher Identität und der österreichischen Gesellschaft auseinander.
Kerschbaumer, die sich selbst einmal als "Neuromantikerin" bezeichnete, wurde vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Meersburger Droste-Preis, dem Literaturpreis der Stadt Wien und 2023 mit dem Tiroler Adler-Orden in Gold. Eine 13-bändige Ausgabe versammelt ihre Werke, seit 2026 befindet sich ihr Vorlass in der Wienbibliothek.
Und auch mit 90 ist noch lange nicht Schluss: Für September ist ihr neues Buch "Riflessioni Tusculane" angekündigt. Darin versammelt Kerschbaumer Gedanken und Betrachtungen aus den Jahren 2007 bis 2024.