Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Grafikfehler in einer 3D-Software. Doch der unabhängige Mathematiker Ruslan Mizhaev hat nach jahrelangen Berechnungen bewiesen, dass hinter diesem scheinbaren Chaos eine exakt berechenbare Struktur steckt.
Das sogenannte Genus-3-Polyeder verfügt über acht flache neuneckige Flächen, die zusammen eine geschlossene Oberfläche mit drei Löchern bilden. Dazu kommen 24 Eckpunkte und 36 Kanten in einem fest definierten Winkelverhältnis.
Wie es bei t3n unter Berufung auf Gizmodo heißt, stieß Mizhaev bereits 2020 bei Experimenten mit CAD-Software auf die grundlegende Geometrie dieses Körpers. Für die spätere mathematische Überprüfung nutzte er den KI-Chatbot ChatGPT zum Erstellen der notwendigen Python-Skripte.
Die Form besitzt eine sogenannte C4-Symmetrie: Man kann sie um eine zentrale Achse drehen, und nach jeweils 90 Grad sieht sie wieder exakt gleich aus. Jede der acht Flächen ist mit allen sieben anderen über mindestens eine Kante verbunden.
Der Mathematiker Lars Schewe von der University of Edinburgh ordnet die Entdeckung als "fehlendes Puzzleteil" ein, das eine lange bestehende theoretische Lücke schließt. Die Konstruktion solcher Formen sei "schon immer eine schwierige Aufgabe" gewesen.
Mizhaev hat die ganzzahligen Koordinaten für alle 24 Eckpunkte veröffentlicht. Damit können andere Wissenschaftler die Form fehlerfrei nachbauen und die Theorie überprüfen.
Ob solche Strukturen auch in der Natur vorkommen, ist noch unklar. Ein ähnlicher Fall war 2018 das Scutoid - eine zuvor unbekannte geometrische Form, die Forscher später in menschlichen Hautzellen entdeckten.