Während die Angst vor KI-bedingtem Jobverlust in Europa noch theoretischer Natur ist, sind die Auswirkungen in China schon deutlich spürbar. Autonome Taxis gehören in vielen chinesischen Metropolen bereits zum Alltag - mit dramatischen Folgen für traditionelle Taxifahrer.
Einer von ihnen ist Yao Xinnong aus der Millionenstadt Wuhan. Seit dem Start des Robotaxi-Dienstes Apollo Go im Jahr 2022 sei sein Verdienst um etwa 40 Prozent gesunken, berichtet er.
Bereits 2024 protestierten Taxifahrer in Wuhan gegen die autonomen Fahrzeuge - ein seltener Schritt in China, wo öffentliche Kritik nicht gerne gesehen wird, wie es bei t3n unter Berufung auf The Guardian heißt. Zwei Jahre später greift die Regierung einige dieser Bedenken selbst auf.
Die staatliche Zeitung Workers Daily warnte kürzlich vor einem "Zusammenprall zwischen traditionellen Beschäftigungsregeln und der Weiterentwicklung der KI-Technologie". Technologie-Analystin Selina Xu spricht von einem "großen Stimmungsumschwung": Jetzt werde mehr Wert auf einen "menschenorientierten Ansatz" gelegt.
Auch Freiberufler kämpfen mit den Folgen. Kameramann Tian Zemin berichtet, dass sein Honorar nur noch bei 40 Prozent dessen liegt, was er 2019 verdiente. "Wir hatten kaum Zeit zu reagieren", sagte er. KI könne inzwischen überzeugende Deepfakes für komplette Spielfilme produzieren.
Chinesische Gerichte haben bereits entschieden, dass KI-bedingte Entlassungen nicht zulässig sind. Den Betroffenen wurden Entschädigungen zugesprochen. Laut Analystin Xu könnte China die Folgen KI-bedingter Jobverluste besser eindämmen als andere Länder - die Regierung übe großen Einfluss auf den Privatsektor aus und könnte Unternehmen etwa zu Einstellungsquoten verpflichten.
In den USA erfahren Arbeiter, die wegen KI ihren Job verlieren, bislang keinen rechtlichen Schutz. Laut einer Analyse der Beratungsfirma Challenger, Gray und Christmas ist der Anteil KI-bedingter Kündigungen dort zuletzt auf 31 Prozent angestiegen.