Künstliche Intelligenz dringt in immer mehr Lebensbereiche vor - jetzt auch in die Welt des Kinos. Das britische KI-Studio Particle 6 hat angekündigt, einen Spielfilm mit der KI-generierten Figur Tilly Norwood in der Hauptrolle zu produzieren.
Der Film mit dem Titel "Misaligned" wird als Comedy-Drama beschrieben und soll im sogenannten "Tillyverse" spielen - einer surrealen, digitalen Welt. Darin versucht die Protagonistin Tilly, von einem Bot aus dem Dark Web angestachelt, menschliche Züge zu entwickeln.
Wie heise.de unter Berufung auf das Branchenmagazin Broadcast International berichtet, soll es sich um eine Hybridproduktion handeln. Dabei arbeiten menschliche Regisseure, Autoren und KI-Spezialisten zusammen. Die Dreharbeiten befinden sich derzeit in Vorbereitung.
In der Filmbranche sorgt das Projekt für Empörung. Die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA wählt deutliche Worte: "Tilly Norwood ist keine Schauspielerin." Sie sei eine Figur, die von einem Computerprogramm generiert wurde, das auf der Arbeit unzähliger Darsteller aufbaue - ohne deren Erlaubnis oder Vergütung.
Auch prominente Filmschaffende üben harsche Kritik. Oscar-Preisträger Morgan Freeman sagt über die KI-Figur: "Niemand mag sie, weil sie nicht real ist, also wird das nicht klappen in Filmen oder im Fernsehen." Emily Blunt zeigte sich ebenfalls schockiert: "Das ist KI? Meine Güte, wir sind verloren. Das ist sehr, sehr beunruhigend."
Particle-6-Gründerin Eline van der Velden verteidigt das Projekt. "Der Film wird sehr witzig, chaotisch und selbstreflexiv sein", erklärt sie. Darunter gehe es um etwas Tieferes: Identität, Performance und die menschlichen Ängste bezüglich KI. Van der Velden ist überzeugt: Im kommenden Jahrzehnt werden jene Filmemacher erfolgreich sein, die jahrzehntelange Erfahrung mit den neuen KI-Werkzeugen verbinden können.